In Sachsen steigt die Zahl der von Wölfen gerissenen Nutztiere. Laut der Statistik des für die Wolfsbeobachtung zuständigen Kontaktbüros Wolfsregion Lausitz wurden in diesem Jahr bereits 40 Vorfälle gemeldet, 6 mehr als im Vorjahr. Bis Ende September wurde der Wolf in 34 Fällen als Angreifer zweifelsfrei nachgewiesen. Im gesamten Jahr 2013 waren es 21 Fälle. Mit bisher 51 toten Nutztieren, die sicher auf das Konto des ehemals hierzulande fast ausgerotteten Räubers gehen oder wo es zumindest nicht ausgeschlossen ist, war bereits Ende September das Vorjahresniveau (50) mehr als erreicht.

Zumeist handelte es sich um Schafe, aber auch ein halbes Dutzend Kälber, ein Rind und ein Hund waren darunter. Halter vom Wolf getöteter Nutztiere, die im Wolfsgebiet und einer angrenzenden 30-Kilometer-Zone geschützt untergebracht sind, erhalten vom Staat eine finanzielle Entschädigung.

Allein im vergangenen Monat wurden 11 Fälle mit 27 sicher oder wahrscheinlich vom Wolf getöteten Tieren gemeldet. „Dass die Zahl der Fälle im Herbst zunimmt, ist normal“, erklärt Helene Möslinger vom Kontaktbüro in Rietschen (Landkreis Görlitz). „Die Welpen laufen dann schon im Rudel mit und sie fressen natürlich auch mehr.“ Allerdings müsse man die in diesem Jahr gestiegene Zahl der Wolfsrisse im Verhältnis sehen. „In den letzten beiden Jahren gab es vergleichsweise wenig Risse von Nutztieren.“

Ein Problem ist, dass noch immer Halter ihre Tiere angepflockt und uneingezäunt den Raubtieren quasi auf dem Silbertablett servieren. So waren acht der im September getöteten Tiere gar nicht oder nur unzureichend gegen Wolfsangriffe gesichert. „Wölfe können durch wiederholte Erfahrung an unzureichend geschützten Nutztieren lernen, dass diese deutlich einfacher zu erbeuten sind als Rehe, Hirsche oder Wildschweine“, warnen die Wolfsbeobachter. Das könne wiederum dazu führen, dass Wölfe gezielt versuchen, auch geschützte Schafe zu erbeuten.

Schon jetzt werden Schutzvorrichtung vom Staat mit 60 Prozent gefördert. Im vergangenen Jahr wurden dafür fast 29 000 Euro aufgewendet. Eine Erhöhung der Förderquote auf 80 Prozent, wie vom Petitionsausschuss des Landtages empfohlen, sei geplant, sagt Frank Meyer, Sprecher des sächsischen Umweltministeriums. Auch sei man mit Stiftungen im Gespräch, um eine Finanzierung des dann verbleibenden 20-prozentigen Kostenanteils aus Drittmitteln zu erreichen. Eine Entschädigung von Nutztierhaltern ohne Schutzmaßnahmen lehne die Staatsregierung aber ab.

Die Wolfspopulation in Sachsen ist in diesem Jahr weiter gewachsen. In zehn der derzeit zwölf Rudel des Freistaats gab es nachweislich Nachwuchs. „Beim Rosenthal-Rudel und dem in der Laußnitzer Heide war es der erste Welpennachweis“, sagte Möslinger. Im Jahr 2000 hatte ein aus Polen zugewandertes Wolfspaar in der Lausitz erstmals seit rund 150 Jahren wieder Welpen aufgezogen. Seither wächst die Population.

Menschen müssten den eigentlich scheuen Wolf nicht fürchten. Natürlich könne es vorkommen, dass ein Wolf mal in einem Ort oder am Rand kleiner Städte auftaucht, sagte die Biologin. „Wichtig ist nur, dass, wenn es regelmäßig passiert - etwa weil sich ein Tier an ausgelegten Essensresten bedient-, solche Sichtungen auch den zuständigen Stellen gemeldet werden.“

Schadensstatistik Sachsen