Die Zahlen, die Brandenburgs Wirtschaftsministerium kürzlich veröffentlichte, sind beeindruckend. In manchen Gegenden bezahlt ein Zwei-Personen-Haushalt bei 80 Kubikmetern Jahresverbrauch rund einhundert Euro für Trinkwasser. In anderen Gebieten kann es das Doppelte, sogar das Dreifache sein. Auch bei der Modellrechnung für ein Einfamilienhaus mit 120 Kubikmetern Jahresverbrauch liegen die Kosten so deutlich auseinander.
Zusammengetragen und veröffentlicht hat das die Landeskartellbehörde. Deren Ziel ist es, "missbräuchlich überhöhte Preise" aufzudecken. Doch das ist schwieriger, als es aussieht. Denn zuständig ist die Kartellbehörde nur für Preise, aber nicht für öffentlich-rechtliche Gebühren und Beiträge.

Vielfalt der Strukturen

Die Struktur der Trinkwasserversorgung ist jedoch rechtlich und geografisch vielseitig. Es gibt Zweckverbände und privatwirtschaftliche Unternehmen, große Einheiten und Inselbetriebe.
In Sachsen wurde eine solche Untersuchung wie jetzt in Brandenburg 2011 vorgenommen. Zwei von 36 damals geprüften privaten Trinkwasseranbietern mussten danach ihre Preise senken. Für ihre Kunden jährlich eine Million Euro Einsparung.

In Brandenburg werden jetzt die "Spitzenreiter" bei den Trinkwasserentgelten von den Kartellwächtern genauer unter die Lupe genommen. Die Möglichkeit, bis Ende November noch Stellungnahmen zu der Überprüfung abzugeben, wird die Landesgruppe Berlin-Brandenburg des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft nutzen. "Wir wollen genauer wissen, welche Faktoren in diese Berechnungen eingeflossen sind", so Geschäftsführer Ralf Wittmann. Deutliche Preisunterschiede könnten durchaus verschiedene Gründe haben. Solche Vergleiche müssten deshalb noch differenzierter werden. "Grundsätzlich ist eine solche Prüfung aber richtig, um Missbrauch zu verhindern", sagt Wittmann.

Die vom Brandenburger Wirtschaftsministerium im Internet veröffentlichte Karte mit den Trinwasserentgelt-Strukturen sieht aus wie ein bunter Flickenteppich. Dunkel gefärbte Hochpreis-Gebiete wie Luckau und Golßen grenzen an mittelpreisige Orte wie Lübbenau oder das Lübbener Gebiet mit niedrigen Kosten für Trinkwasser. Gebietsreformen und Veränderungen von Wasserverbänden haben sogar dazu geführt, dass es Gemeinden mit drei verschiedenen Anbietern und Preisen beim Trinkwasser gibt. Das Amt Märkische Heide im Landkreis Dahme-Spreewald ist dafür ein Beispiel.

Drei Anbieter, darunter ein Eigenbetrieb, teilen sich die 17 Orte des Amtes. Deren monatliche Grundgebühr für einen kleinen Privatverbraucher liegt zwischen 5,50 Euro und 7,50 Euro. Die Verbrauchspreise pro Kubikmeter liegen 25 Cent auseinander. "Wenn man das ändern will, sind vermögensrechtliche Auseinandersetzungen nötig, das können wir als Amt gar nicht bezahlen", sagt Bürgermeister Dieter Freihoff (SPD). Als einer der teuren Trinkwasserlieferanten gilt laut Wirtschaftsministerium der Trink- und Abwasserzweckverband Luckau (TAZV). 25 000 Kunden, sechs eigene Wasserwerke. "Das liegt vermutlich an unserer Struktur, dünne Besiedlung, weite Wege", versucht Verbandsvorsteher Stefan Ladewig eine Erklärung für den Spitzenplatz im Preisvergleich.

Siedlungsdichte und Rohrlängen

Wer sich in der Branche umhört, erfährt schnell, wie viele Faktoren den Wasserpreis beeinflussen. Neben Besiedlungsdichte, Rohrleitungslänge und Abnahmemengen sind Personal- und Investitionskosten wesentlich. Die Stadt- und Überlandwerke Lübben mit derzeit sehr günstigem Trinkwasserpreis werden in den kommenden Jahren für neue Rohre mehr Geld ausgeben müssen. "Die Wasserleitung in der Lübbener Bahnhofstraße wird im kommenden Jahr 100 Jahre alt", nennt Sachgebietsleiter Uwe Blaseg ein Beispiel.
Sehr unterschiedlich gehen Anbieter für Trinkwasser, aber auch Abwasser mit der Struktur ihrer Preise um. Lieber eine hohe Grund- und niedrige Verbrauchsgebühr oder umgekehrt? Hohe Anschlusskosten oder lieber mehr Geld für jeden Kubikmeter Trink- oder Abwasser? Jedes der 93 Wasserversorgungsunternehmen in Brandenburg hat seine eigene Lösung für diese Fragen. Und wer in seiner Region beim Trinkwasserpreis eher schlecht abschneidet, kommt beim Abwasser vielleicht besser weg. Auch das macht einen nackten Zahlenvergleich wenig aussagekräftig.

Vor einer handfesten Veränderung steht indes aus anderen Gründen die Trinkwasserversorgung in den Gebieten um Senftenberg, Weißwasser und Kamenz. Bis 2018 werden sie vom Vattenfall-Wasserwerk in Schwarze Pumpe mit aufbereitetem Grubenwasser beliefert. Dann soll mit diesem Service Schluss sein.

"Unser Wasserwerk in Tettau könnte erweitert werden und dann auch Weißwasser und Kamenz beliefern", sagt Roland Socher, Verbandsvorsteher des Wasserverbandes Lausitz (WAL) mit Sitz in Senftenberg. Die Leitungen dafür seien vorhanden, das Grundwasseraufkommen ausreichend. Wenn es dazu käme, so Sochers Vorschlag, sollten die beiden Partnerverbände gleich ihren Anteil der Investitionskosten tragen. Doch noch sei nichts beschlossen. Sicher würde der Trinkwasserpreis dann auch etwas steigen, aber nicht dramatisch, versichert er. Und er verweist auf die Strompreise: "Wenn man sieht, wie da die Preise steigen, dann ist Trinkwasser kein Thema."