Neun Sekunden, so die Order, haben sie, um sich gegen eine mögliche Attacke mit chemischen und biologischen Waffen zu schützen. Zum Glück blieb es stets beim Fehlalarm.

Doch Reporter bohren jeden Tag ein bisschen hartnäckiger nach: "Habt ihr jetzt Massenvernichtungswaffen gefunden?" Das wäre der "rauchende Colt", den die Amerikaner in der langen diplomatischen Schlacht um das Für und Wider eines Krieges vergeblich zu präsentieren versuchen.

Die Massenvernichtungswaffen sind der Hauptgrund, warum sich die USA nach eigener Darstellung zum Krieg gezwungen sahen. General Stanley McChrystal vom US-Generalstab wird bei der Frage wortkarg. "Nein, haben wir nicht", ist seine knappe Antwort.
"Riesige Chemiewaffenfabrik im Südirak entdeckt!" hatten amerikanische Sender und die "Jerusalem Post" kurz zuvor unter Berufung auf Pentagon-Beamte gemeldet. Doch das US-Militär ruderte zurück: "Ich glaube, wir haben in den vergangenen Tagen ein paar Hand voll Informationen über mögliche Fundstätten von Massenvernichtungswaffen gesammelt", sagte Tommy Franks, der Oberkommandierende des Irak-Kriegs. "Es ist noch ein bisschen früh zu erwarten, dass wir was gefunden haben."

Die Regierungen in Washington und London lassen keinen Zweifel an ihrer Überzeugung, dass der Irak solche Waffen versteckt hat und einzusetzen bereit ist. Bagdad bestreitet das. Die UN-Waffeninspekteure haben in den vergangenen Monaten nichts gefunden.
Der Kolumnist Robert Scheer von der "Los Angeles Times" warnte bereits angesichts des fehlenden Beweises für die Massenvernichtungswaffen: "Wenn es den USA nicht gelingt, Massenvernichtungswaffen auszugraben, kommen die wahren Gründe für den Krieg zum Vorschein: die imperialen Pläne."