Schwer zu sagen, ob die 89 Bewohner von Sauen (Oder-Spree) stolz auf den Namen ihres Örtchens sind. Dass sie sich so manch dummen Spruch darüber anhören müssen, dürfte einigermaßen sicher sein.

Doch seit gestern haben die Sauener einen Grund mehr, stolz zu sein auf ihr malerisches Angerdörfchen, das zur Gemeinde Rietz-Neuendorf gehört. Am Freitag wurden sie zum Sieger im Landeswettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" gekürt. Die Auszeichnung in Pretschen, das den Titel beim Wettbewerb vor drei Jahren gewonnen hatte, war der vorläufige Höhepunkt in einem Wettbewerb, an dem sich die meisten Dorfbewohner in Sauen beteiligt hatten. Für sie ist ihr Ort eben mehr als nur eine Schlafstatt. Seit Jahren engagieren sie sich in der Arbeitsgemeinschaft historische Stadtkerne, setzen auch in Sachen Energie auf Nachhaltigkeit und einen naturnahen Tourismus. In jedem Jahr besuchen beispielsweise mehr als 1000 Kinder den Ort, um sich mit klimarelevanten Effekten eines naturnahen Mischwaldes zu beschäftigen. Es war der Chirurg August Bier, der in Sauen vor 100 Jahren ein forstökologisches Waldexperiment startete.

Als Sieger des Dorfwettbewerbs sind die Sauener jetzt um 10 000 Euro reicher und vertreten Brandenburg, wie einst die Pretschener, im Jahr 2016 beim Bundeswettbewerb.

Die Sektkorken dürften am Freitagabend auch in Straupitz (Dahme-Spreewald) geknallt haben. Die Bewohner der Spreewaldgemeinde erkämpften sich nämlich den zweiten Platz beim Landeswettbewerb. "Ich bin mächtig stolz auf unsere Dorfgemeinschaft", freut sich der Straupitzer Bürgermeister André Urspruch. Es seien die Bewohner, die das dörfliche Leben so lebenswert machten. In Straupitz beispielsweise gibt es 21 aktive Vereine, Vereinigungen und Interessengemeinschaften, die beim Landeswettbewerb gemeinsam an einem Strang gezogen hätten.

Und darum geht es beim Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" auch in erster Linie. Entscheidend sind nicht alleine landschaftliche oder architektonische Schönheiten, sondern vor allem auch ehrenamtliches Engagement und die gesellschaftlichen und kulturellen Aktivitäten.

Genau wie die Sieger aus Sauen sind auch die Straupitzer beim Bundeswettbewerb im kommenden Jahr mit von der Partie.

Den dritten Platz auf dem Siegerpodium beim Landeswettbewerb sicherten sich gestern die Bewohner von Hohenseefeld (Teltow-Fläming). Auch sie überzeugten die Wettbewerbs-Jury mit ihrem außergewöhnlichen Engagement für ein lebendiges Dorfleben. "Wir haben noch große Pläne", sagt die Hohenseefelder Ortsvorsteherin Sandra Klimaschewski. Ein altes Polytechnisches Zentrum wollen die Hohenseefelder in ein Dorfgemeinschaftszentrum verwandeln. Es soll sie künftig noch besser mit ihren unmittelbaren Nachbarn in Niederseefeld verbinden. Die 3000 Euro Preisgeld werden ihnen dabei helfen.

Brandenburgs Landwirtschaftsminister, Jörg Vogelsänger (SPD), ist überzeugt: "Das Herz unserer Dörfer sind die Menschen." In Pretschen konnte er Brandenburgs ländlichen Herzschlag gestern deutlich spüren.