Deutschen Mühlentag wird das Bauwerk am Pfingstmontag offiziell wiedereröffnet. Das gute Stück ist nach Angaben des örtlichen Mühlenvereins die einzige betriebsfähige Dreifach-Windmühle in ganz Deutschland, vielleicht in ganz Europa. Sie vereint Öl-, Korn- und Sägemühle unter einem Dach.

Drohende Einsturzgefahr
1810 erbaut, verlor die Mühle 1923 bei einem Brand ihre Flügel. Danach liefen die Mahlwerke mit Strom oder einer Dampfmaschine, erzählt Müh len-Chef Klaus Rudolph. In den 50er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts verschwanden dann die auch um Cottbus zahlreich vorkommenden Zwei- und Dreifachmühlen, sie rentierten sich nicht mehr. So ging auch in Straupitz 1964 zuerst die Kornmühle außer Betrieb; später folgten die Öl- und Sägemühle. Die Anlagen zerfielen. Der Turm der Kornmühle war zeitweise wegen drohender Einsturzgefahr gesperrt.

Leinöl hat guten Ruf
1994 begann Rudolph zusammen mit fünf ABM-Kräften, die Ölmühle wieder herzurichten. Nachdem die Eigentumsverhältnisse 1998 geklärt waren und der Bau rechtmäßig der Gemeinde gehörte, kam 2001 der positive Fördermittelbescheid für eine umfangreiche Sanierung. Die Summe brachten zu 75 Prozent die Europäische Union, zu 15 Prozent das Land und zu zehn Prozent die Gemeinde mit Hilfe von Sponsoren auf. Spezialisten in Holland erneuerten die 25 Tonnen schwere Kappe, unter der die Windkraftanlage sitzt. Auch die Säge- und die Kornmühle laufen heute wieder. Betreiber des technischen Denkmals ist der Straupitzer Mühlenverein.
Die Deutsche Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung zählt in Berlin und Brandenburg insgesamt 65 Mühlen, davon neun Holländerwindmühlen, deren Konstruktion Niederländer entwickelten. Die rund 15 Meter hohe Mühle in Straupitz hat fünf Etagen. Der Wind treibt die Geräte über eine Königswelle an, die sich von oben bis ins Erdgeschoss zieht. Inzwischen steht wieder in altdeutscher Schrift der alte Müller-Gruß "Glück zu" über der Eingangstür. Im Innenraum riecht es nach frischem Holz, und der Duft des Leinöls kitzelt in der Nase.
"Die Mühle hat deutschlandweit einen Namen", sagt Rudolf stolz. Dafür sorgte vor allem das Leinöl, das auf traditionelle Art gewonnen wird. Es hat einen ganz eigenen, nussigen Geschmack und unterscheidet sich damit erheblich vom industriell gefertigten Leinöl. Die Lausitzer essen es gern zu Pellkartoffeln mit Quark. Zu medizinischen Zwecken wird es in die ganze Republik verschickt. Stammkunden holen sich das Öl direkt in der Mühle ab. Wer Zeit mitbringt, kann der Herstellung des Öls zusehen.

Ungewisse Zukunft
Vor dem Auspressen wird die Saat in einer großen, mit Holz beheizten Pfanne bei bis zu 70 Grad geröstet. Mit der schweren Originaltechnik dauert die Verarbeitung von etwa zehn Kilogramm Leinsaat rund eine Stunde. "Das Ergebnis sind 2,5 Liter Leinöl", erklärt Rudolph. Er rechnet in diesem Jahr mit 20 000 Besuchern in der Mühle und blickt dennoch "ziemlich pessimistisch" in die Zukunft: Die Einnahmen reichen nicht aus, um die laufenden Kosten zu decken, und die Förderung des Arbeitsamtes für die vier Arbeitsplätze läuft 2003/04 aus. Was danach kommt, weiß niemand. Spraupitzer Mühle im Internet: www.windmuehle-straupitz.de