Gemeint sind die Kommunen. Fuchtel muss von Amts wegen so reden, er ist Beauftragter der Bundesregierung für die Deutsch-Griechische Versammlung (DGV). Das ist der Zusammenschluss aller Städtepartnerschaften. Doch wird die Beobachtung auch von anderen geteilt. "Der Austausch war noch nie so intensiv wie jetzt", so Stephan Articus, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, auf Anfrage. Die Verbindungen seien von gegenseitigem Respekt geprägt. Articus: "Das ist gelebte Solidarität mit Griechenland".
Das mit dem gegenseitigen Respekt ist nicht selbstverständlich. Mit der Zentralregierung in Athen läuft die praktische Kooperation nämlich nicht so rund. Das hat sich unter der linkssozialistischen Syriza-Regierung noch verschärft, heißt es in Berliner Regierungskreisen. Die einstige Idee zum Beispiel, deutsche Finanzbeamte zum Aufbau des Steuerwesens einzusetzen, ist über vier Experten, die 2011 dort waren, nicht hinausgekommen. Und das Angebot, bei der Wirtschaftsförderung zu helfen, lief schon 2012 ins Leere. Doch jetzt stehen die Verhandlungen über die nächsten Rettungsmaßnahmen vor dem Abschluss, die Tonlage wird wieder sachlicher. Man hofft in Berlin, dass Griechenland dann offener ist für Hilfsangebote.


So wie bereits auf kommunaler Ebene, wo laut Fuchtel selbst bei Syriza-nahestehenden Bürgermeistern die Berührungsängste nachlassen. "Auf kommunaler Ebene vertrauen sich Deutsche und Griechen immer mehr." Von den 325 griechischen Kommunen, die es seit der Gemeindereform noch gibt, sind rund Hundert in die Arbeit der Deutsch-Griechischen Versammlung eingebunden, 40 weitere suchen gerade Partner in Deutschland. Fuchtel spricht von einem "hochwirksamen Netzwerk für Beratung". Teilweise haben sich auch ganze Regionen zusammengefunden, der Peloponnes etwa mit dem Landkreis Schwäbisch Hall. Die Kontakte gehen dabei, das zeigen die regelmäßig veröffentlichten Berichte, weit über die üblichen Honoratiorenbesuche hinaus. Obwohl es auch die gibt: 60 griechische Kommunalvertreter waren allein im ersten Halbjahr in Deutschland, der Bund bezuschusst die Reisekosten. In der Regel geht es bei den Partnerschaften um Konzepte für Abfallentsorgung, öffentlichen Nahverkehr, Wirtschaftsförderung, Naturschutz, zunehmend auch für den Tourismus. So arbeitet der Rodopi Nationalpark in Nordgriechenland mit dem Nationalpark Harz zusammen, und Rhodos hat zusammen mit Heilbronn Modelle für Pflegeurlaube entwickelt, um die Hotelbetten länger auszulasten. Fuchtel sieht auch im Wandertourismus eine Chance. "Was auf Mallorca funktioniert, müsste auch in Griechenland gehen." Die Region Kastoria hat mit der Region Bodensee neue Vermarktungsstrategien für landwirtschaftliche Produkte entwickelt, Samos hat sich mit der Ostseestadt Greifswald zusammengetan, Korfu mit Rügen. Die Partnerstädte haben auch geholfen, dass Griechenland inzwischen wieder auf allen großen Lebensmittelmessen in Deutschland präsent ist. Die deutsche duale Berufsausbildung ist ebenfalls gefragt; in Athen und Kreta gehen die ersten dualen Berufsschulen ins zweite Lehrjahr, die Nachfrage ist enorm. Fuchtels plädierte dafür, in allen 13 griechischen Regionen (Peripherien) solche Angebote aufzubauen.

Als größtes Problem hat der Regierungsbeauftragte die zentralistische Verwaltungsstruktur des Landes und das Fehlen regionaler Finanzbudgets ausgemacht. "Das kostet Zeit und ist korruptionsanfällig." Doch dies zu ändern übersteigt die Möglichkeiten der Kommunen. Es wäre ein Thema für die Troika - nach dem Abschluss des dritten Rettungspakets.