"Am Anfang einer Neuheit steht immer eine Idee." Mit diesen Worten begrüßt Karl-Heinz Tebel, Vorsitzender der Geschäftsführung der BASF Schwarzheide, 51 Nachwuchswissenschaftler aus Brandenburg zum Landeswettbewerb "Jugend forscht". Und Ideen gibt es viele. Im Kulturhaus der BASF präsentieren Schüler und junge Studenten ihre Projekte aus den Bereichen Biologie, Chemie, Arbeitswelt, Physik, Technik, Mathematik/Informatik sowie Geo- und Raumwissenschaften.

Und manches entsteht ganz zufällig. So ist Bastian Nischan die Idee zur Weiterentwicklung der Lichtautomatik am Auto während der Fahrschule gekommen. "Ein Taxi hat am Straßenrand gehalten. Durch das Xenon-Licht wurde ich so geblendet, dass ich fast einen Unfall verursacht hätte", erzählt er. Gemeinsam mit Forschungspartner Maximilian Gudat suchte der 21-Jährige nach einer Möglichkeit, um andere davor zu bewahren. "Automatische Lichtanlagen schalten sich je nach Helligkeit ein. Aber keine reagiert auf Bewegung", erklärt Bastian Nischan die Idee. Sobald das Auto beispielsweise an Schranken zum Stehen kommt, schaltet das Licht automatisch auf Standlicht um. Wenn das Auto wieder rollt, wird das Abblendlicht aktiviert. "Stehende Autos können den Gegenverkehr so nicht mehr blenden. Das Problem wird oft unterschätzt", sagt Maximilian Gudat. Jetzt wollen die beiden jungen Forscher der Heidelberger Druckmaschinen AG aus Brandenburg an der Havel Werkstätten und Autofirmen ansprechen, um ihre Idee an richtigen Autos auszuprobieren. Für diese Idee gibt es den Sonderpreis der brandenburgischen Ingenieure und Wirtschaftler e.V. Den ersten Platz und damit ein Ticket für das Bundesfinale in Paderborn (26. bis 29. Mai) in der Kategorie Technik sichert sich jedoch Tim Grutzeck vom Marie-Curie-Gymnasium Hohen Neuendorf. Er trat bereits im vergangenen Jahr mit einem spinnenartigen Erkundungsroboter an. Dessen Weiterentwicklung überzeugt die Jury in diesem Jahr erneut.

Begeistert ist die Jury auch von Patrick Langers Projekt. In zweijähriger Arbeit hat der 18-Jährige gleich mehrere Anwendungen entwickelt, mit denen Computerspiele und sogar Sprachcomputer mit den eigenen Muskeln gesteuert werden können. Einfaches Anspannen der Oberarmmuskeln genügt, um Buchstaben in einem eigens entwickelten Programm auszuwählen oder Coputerfiguren zu bewegen. "Sprachcomputer, wie wir sie von Stephen Hawking kennen, sind unwahrscheinlich teuer. Ich wollte etwas entwickeln, das günstiger ist, um Menschen mit Behinderungen das Leben zu erleichtern", sagt Patrick Langer. Für diesen Einsatz gibt es den ersten Platz im Physikbereich und den Sonderpreis Innovation für Menschen mit Behinderung. Dabei ist das Projekt noch lange nicht beendet. "Denkbar wäre auch, die Sensoren an jedem Finger anzubringen. Dann könnte man mit einer Handbewegung den Lichtschalter oder Virtual Reality Spiele bedienen", spinnt er seine Idee weiter.

Für Michael Lange, Katharina Marina Tamara Renate Schiemenz und Stefanie Eileen Bränzel vom Max-Steenbeck-Gymnasium in Cottbus ist ebenfalls das Lebenretten im Mittelpunkt ihrer Forschung. Sie wollen mobile Defibrillatoren massentauglich machen. "Unser Ziel ist es, das jeder Autofahrer einen Defibrillator im Kofferraum hat. Unsere Traumvorstellung ist es, ein Gerät fürs Smartphone zu entwickeln", erklärt die 16-jährige Stefanie Eileen Bränzel. Das Ergebnis: Nutzt man eine externe Stromquelle, kann das Gerät wesentlich kleiner und leichter werden. Aus Sicht der Schüler ist die Autobatterie dafür ideal.

Im Bereich Geo- und Raumwissenschaften haben Marian Penno und Jonas Walter von der BASF den ersten Platz erhalten. Sie haben eine Filteranlage für Gartenanlagen entwickelt, mit der das Grundwasser sauber und eisenfrei wird - ganz ohne Chemie. "In unserer Umgebung sehen wir, was die Verockerung anrichtet. Das wollen wir verhindern", erklärt Marian Penno. Mit Marmorkiesel und Sauerstoff können sie den PH-Wert des Wassers von 2,3 auf neutrale 7 anheben und damit optimale Bedingungen für Pflanzen schaffen.

Louisa Schwitzer vom Einstein Gymnasium in Neuenhagen hingegen ist fasziniert vom außerirdischen Leben und fremden Planeten. "Auf der Erde verbrauchen wir viele Ressourcen, und einige sind endlich. Da ist es gut, auch ein paar Ausweichmöglichkeiten zu kennen", erklärt sie. Die 17- Jährige hat sich daher intensiv mit der Transitmethode auseinandergesetzt, mit der durch charakteristische Helligkeitseinbrüche Planeten außerhalb des Sonnensystems gefunden werden. Mit einem anschaulichen Modell schaffte sie es auf Platz drei.

In der Kategorie Biologie wird Alexander Rotsch von der Georg-August-Universität in Göttingen das Land beim Bundesfinale vertreten. Er untersuchte, welchen Einfluss Lichtstärke und Wellenlänge auf Pflanzen haben. In Chemie können Justin Ebert, Elisabeth Szuppa und Katharina Radtke von der musikbetonten Gesamtschule Paul Dessau in Zeuthen punkten. Sie finden mit einer Elektrodenroulade einen innovativen Ansatz, so die Jury.

Zum Thema:
Auch Sachsens kreativste Nachwuchswissenschaftler kämpfen derzeit um den Einzug ins Bundesfinale. 29 Teilnehmer zwischen 14 und 20 Jahren treten beim Landesfinale im Chemnitzer Industriemuseum an. Von Elektromobilität bis zu einer selbst gebauten Solarladestation ist das Themenspektrum ähnlich vielfältig. Wer zum Bundesfinale nach Paderborn vom 26. bis zum 29. Mai darf, wird am Samstag entschieden. Dann werden die Projekte auch der Öffentlichkeit gezeigt.