Das blau-weiße Zelt der freiwilligen Helfer ist verschwunden, die mobile Polizeiwache abgebaut. Der Platz vor dem Bürgerhaus war in Potsdam-Schlaatz das Zentrum der Suche nach dem kleinen Elias. Nun ist er wieder leer. Vor vier Wochen wurde der Sechsjährige zum letzten Mal in dem Potsdamer Stadtteil gesehen. Seitdem fehlt von dem blonden Jungen jede Spur. „Ein solcher Vermisstenfall ist mir in meiner polizeilichen Laufbahn bisher noch nicht begegnet“, sagt der Leiter der Soko „Schlaatz“, Michael Scharf. Seit mehr als 30 Jahren ist er bei der Polizei.

Am Eingang zum Bürgerhaus in dem Plattenbauviertel hängen noch Handzettel, auf denen um Hinweise gebeten wird. An der Glastür des Supermarktes klebt nach wie vor ein großes Bild von Elias. „Es ist noch allgegenwärtig“, sagt eine junge Frau, die auf dem Weg in das Geschäft ist. “Das ist total traurig.“ Sie habe selber eine viereinhalbjährige Tochter, auch sie hat das rätselhafte Verschwinden von Elias mitbekommen. Der Erstklässer hatte nur vor der Wohnung seiner Mutter gespielt.

Die Potsdamer Beigeordnete für Soziales und Jugend, Elona Müller-Preinesberger, sagt: „Es ist noch immer nicht nachvollziehbar, wie ein Kind in einem belebten Wohngebiet in unserer Stadt am helllichten Tag verschwinden konnte und dass es trotz der intensiven Suche bisher nicht gefunden wurde.„ Das hinterlasse ein Gefühl der Hilflosigkeit. „Gleichzeitig hat dieser Fall gezeigt, wie groß der Zusammenhalt und die Hilfsbereitschaft, nicht nur Am Schlaatz, sondern in der ganzen Stadt sind“, betont sie.

Neben der Polizei durchkämmten auch zahlreiche freiwillige Helfer die Gegend. Die Ermittler befragten mehr als 1000 Anwohner und Zeugen. Etwa 1900 Polizisten beteiligten sich an Suchaktionen. Mehr als 300 Stunden Videomaterial und 1000 Fotos waren auszuwerten. Gesucht wurde mit Tauchern, Baggern, Spürhunden, der Wasserstand des Flüsschens Nuthe wurde abgesenkt, um den Grund besser absuchen zu können. Das sei für die Westbrandenburger Polizei bisher ein Novum, sagt Scharf mit Blick auf das Ausmaß der Suchaktion.

„Das Ungewöhnliche an diesem Vermisstenfall ist die Tatsache, dass der Junge in einer recht kurzen Zeitspanne und scheinbar ohne Spuren und Zeugen verschwunden ist“, betont der Leitende Polizeidirektor. Genauso war es auch bei der fünfjährigen Inga aus Sachsen-Anhalt. Sie wird seit drei Monaten vermisst.

Die Initiative Vermisste Kinder hat die Suche nach den beiden unterstützt. „Sowohl der Fall Elias als auch der Fall Inga sind absolute Einzelfälle“, sagt Vorstand Lars Bruhns.

Zusammenhänge zwischen dem Verschwinden der beiden Kinder hätten sich bisher nicht ergeben, stellt ein Sprecher der Magdeburger Polizei fest. Die Ermittlerteams bleiben aber weiterhin in ständigem Kontakt, wie Scharf betont.

Was könnte Elias zugestoßen sein? Für die Polizei kamen zunächst sowohl Weglaufen wie auch ein Unfall oder ein Verbrechen in Betracht. Konkrete Anhaltspunkte gibt es bisher für keine der Varianten. Doch immer mehr hat sich ein Szenario herauskristallisiert: Das „unfreiwillige Verschwinden“ des Jungen, wie es der Soko-Chef formuliert.

Mehr als 900 Hinweise gingen seit dem 8. Juli bei der Polizei ein. Sie hat fast alle abgearbeitet - zu Elias führten sie nicht. Die Arbeit geht dennoch weiter. Die Ermittlungen in einem Vermisstenfall endeten grundsätzlich erst mit dem Auffinden des vermissten Menschen oder „der eindeutigen Klärung seines Aufenthaltsortes“, so Polizist Scharf. Und er betont: „Wir hoffen, dass wir Elias letztlich doch noch finden und sein Verschwinden aufklären können.“