Eine drei- beziehungsweise fünfstöckige Pyramide oder ein doppelter Schwibbogen sind schließlich nicht im Handumdrehen gemacht. Schon gar nicht, wenn man wie der 65-Jährige Autodidakt ist, sich die aus dem Erzgebirge stammende Kunst selbst beigebracht hat.
Zwar stammt Gey ursprünglich aus dem Raum Dresden, mit dem Pyramidenbauen fing der damalige Neu-Frankfurter aber erst in den 70er-Jahren an. "Zu DDR-Zeiten gab es ja kaum Weihnachts-Deko zu kaufen. Die erzgebirgischen Kunstschnitzereien waren Raritäten", erinnert er sich. Doch auch Holz zum Selbstbauen war Mangelware. Der gelernte Maschinenschlosser musste improvisieren - seine ersten Pyramiden nach Bastelanleitung entstanden aus hölzernen Kuchen- und Frühstücksbrettern. Runde Materialien gewann er aus Kochlöffeln, Staffelstäben und Nudelhölzern.
"Ich war in den Frankfurter Läden schnell als Hamsterer verschrien - immerhin brauche ich für eine Pyramide rund 200 Einzelteile", schmunzelt der Rentner. Die meisten davon habe er mehrfach in der Hand zum Schleifen, Bohren und Drechseln, macht er den Arbeitsaufwand deutlich. Für die Schwibbögen nutzte er zu DDR-Zeiten Bügelmuster aus Bastelheften. "Die konnte man auf das Holz plätten und dann mit der Laubsäge bearbeiten", erklärt er. Im Verwandten- und Bekanntenkreis war Gey gern gesehen, denn dort verschenkte er seine hölzernen Kreationen zu Geburtstagen und anderen Jubiläen. Und zwar zu jeder Jahreszeit. Inzwischen kann er Pyramiden und Schwibbögen sogar verkaufen, arbeitet teilweise auf Bestellung, denn die echten Sachen aus dem Erzgebirge sind heute sündhaft teuer.
Geys weihnachtliche Dekoartikel wurden immer perfekter. Schließlich hatte er nach der Wende eine echte erzgebirgische Pyramide im Sperrmüll gefunden, diese repariert und künftig als Vorlage genutzt. Das Grundgerüst baut er meist in den Wintermonaten, verschwindet dafür tagelang an seine Werkbank im Keller. Gedrechselt wird dann in der wärmeren Jahreszeit im Garten. Die Geyschen Schwibbögen bestehen aus zwei identischen Holzbögen, die parallel zusammengesetzt, mit Figuren bestückt und von innen beleuchtet werden "Echt im erzgebirgischen Stil sind die Pyramiden nur mit drei oder eben fünf Etagen", erklärt der 65-Jährige, der bisher fast 50 selbst gebaut hat. Stolz präsentiert er sein jüngstes und größtes Werk: Fünfetagig, 1,35 Meter hoch. "Die ersetzt jeden Weihnachtsbaum. So ein nadelndes Utensil holen wir uns schon seit Jahren nicht mehr ins Haus", erzählt Ehefrau Evi Gey. Perfekt ist die Pyramide jedoch erst mit der passenden Beleuchtung: Teelichter in durchsichtigen Glasfassungen werden in feste Halterungen gesetzt. "Da kann nichts umkippen, nichts anbrennen. Es leuchtet nicht nur die Flamme sondern das ganze Licht samt Fassung", schwärmt der Frankfurter. Kontakt: 0335/544 706