Zwei Wochen sind sie mit ihrem Wohnmobil an der Mosel unterwegs. "Wir bevorzugen kleine Orte, an denen wir schnell anhalten, parken und aussteigen können", sagt Robert Togneri. Allein bei der Fahrt durch das Moseltal ließe sich schon abschalten, sagt der Schotte. An den Ufern ragen kleine Burgen hervor, beschauliche Weinorte mit reichlich historischer Bausubstanz, von denen sich - aus der Ferne betrachtet - allein der Kirchturm hervorhebt, laden zum Verweilen ein. Wanderwege wie der Moselsteig, die dem Reisenden erhabene Ausblicke gewähren, säumen das Flusstal, ebenso wie der Mosel-Radweg.

Römische Kelter

In den steilen Schieferhängen ist der weltbekannte Riesling zu Hause, der die Landschaft und das Leben im Moseltal prägt. Schon die Römer pflanzten dort vor mehr als 2000 Jahren Reben. In einigen der besten Weinbergslagen der Mittelmosel wurden in den vergangenen Jahrzehnten die Reste antiker Kelteranlagen gefunden: In Erden, Maring-Noviand, Brauneberg und Piesport wurden diese Anlagen zum Teil rekonstruiert und können besichtigt werden.

"Ragende Villen hier, auf hängenden Ufer gegründet und grünende Hügel dem Bacchus gewidmet", mit diesen Versen beschreibt der römische Dichter Ausonius 368 nach Christus den ältesten Weinort Deutschlands, Neumagen-Dhron an der Mittelmosel. Es ist der Fundort des Neumagener Weinschiffes, dem steinernen Grabmal eines römischen Weinhändlers aus dem Jahr 220 nach Christus. Das Original steht heute im Rheinischen Landesmuseum Trier. Doch im Ortskern kann nicht nur eine Rekonstruktion des Grabmals besichtigt werden. Azubis der Handwerkskammer Trier haben das Grabmal als Blaupause für einen hölzernen Nachbau herangezogen und so ein großes Römerschiff gebaut, das bei Neumagen-Dhron vor Anker liegt und auch von Gruppen gechartert werden kann.

Wer der Bundesstraße 53, neben der auch ein Radweg durchs Moseltal führt, weiter flussabwärts folgt, landet in Piesport, der Heimat des Goldtröpfchens. Oberhalb der weit geschwungenen Weinlage, deren Form einem Amphitheater gleicht, hat man einen freien Blick auf die Moselschleife. Einige Stromkilometer weiter trifft man auf den heißesten Platz Deutschlands. In der Weinlage Brauneberger Juffer wurde die höchste jemals in Deutschland registrierte Temperatur von 41,2 Grad Celsius gemessen. Die Rekordtemperatur ist vor allem dem Schiefergestein geschuldet, dessen Eigenschaft, Wärme zu speichern, im Weinbau von Nutzen ist.

Burgruinen und Luxushotels

Abzweigende Seitentäler wie bei Mülheim laden immer wieder zu kleinen Abstechern ein. Folgt man diesem Tal wenige Kilometer, gelangt man oberhalb des Ortes Thalveldenz zur Ruine des ehemaligen gräflichen Schlosses Veldenz - die ehemals größte Burg an der Mittelmosel, bis sie 1681 durch französische Truppen zerstört wurde. Einige Teile der Burgruine, wie der Rittersaal, sind wieder aufgebaut worden und können besichtigt werden. Weiter flussabwärts erstrahlt ein Stück Prunk und Luxus der Vorzeit bald wieder in vollem Glanze. Denn im Spätsommer soll das Fünf-Sterne-Luxus-Hotel Schloss Lieser - ein niederländischer Investor hat das ehrwürdige Gebäude restauriert - eröffnen. Eindrucksvolle Bauten an der Moselpromenade von Bernkastel-Kues, einem der populärsten Urlaubsorte an der Mittelmosel, zeugen noch heute vom Reichtum der Weinhändler vergangener Zeiten.

Das altertümliche Flair der Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern und verwinkelten Gassen zieht jedes Jahr eine Flut von Touristen in ihren Bann. Die Moselstadt besticht durch zahlreiche Sehenswürdigkeiten wie die Burgruine Landshut oder den historischen Marktplatz. Viele Besucher gehen hier auch an Bord der Ausflugsschiffe. Denn eine Rundfahrt auf der Mosel eröffnet dem Besucher neue Blicke und Perspektiven - auch auf die gerade entstehende Hochmoselbrücke nahe des Weinortes Zeltingen-Rachtig - das derzeit umstrittenste Bauprojekt in der Bilderbuchlandschaft des Moseltals. Die Baukunst aus der Zeit der Renaissance, des Barocks, des Rokoko, des Jugendstils, ob Fachwerk oder Stein in Zeltingen-Rachtig findet dahingegen nur Bewunderer. Hoch über Traben-Trarbach sticht die Ruine der Grevenburg ins Auge, die auf dem Felsen am Moselufer thront. Aus dem 14. Jahrhundert ist noch die Fassade des Kommandantenhauses erhalten. Das Gemäuer lässt sich zu Fuß oder mit dem Auto erreichen. Die Ruine der Grevenburg strahlt ein mystisches Mittelalter-Flair aus. Von dort oben genießt man einen reizvollen Ausblick über Traben-Trarbach und die Mosel. Mit Sicherheit lebten die ehemaligen Burgherren, die Grafen von Sponheim, in Saus und Braus. Der Genuss von Champagner - Pardon - Winzersekt, blieb ihnen jedoch vorenthalten. Denn Schaumwein wurde erstmals gegen Ende des 18. Jahrhunderts produziert. Wer an der Mosel unterwegs ist, sollte bei einem Winzer anhalten und sich eine Flasche Rieslingsekt, traditionelle Flaschengärung, gönnen.

Da er sich ohne Qualitätseinbußen lagern lässt, taugt er als spritziges Andenken. Dazu hat er gegenüber anderen Erinnerungsstücken einen Vorteil: Er schmeckt - feinperlig und aromatisch.

Zum Thema:
Das Weinanbaugebiet Mosel (bis Juli 2007 lautete der offizielle Name "Mosel-Saar-Ruwer") gilt als die älteste deutsche Weinregion. Es ist in sechs Bereiche unterteilt, darunter das Anbaugebiet Bernkastel, welches auch als Mittelmosel bezeichnet wird. Dort finden sich mit 5844 Hektar die meisten Weinbergsflächen der Mosel. Die Mittelmosel mit einer Produktionsmenge von mehr als 500 000 Hektolitern bildet das Herzstück des Anbaugebietes - weltbekannte Rieslingweine wachsen dort auf den Schieferverwitterungsböden.Die Großlagen heißen Schwarzlay, Nacktarsch, Münzlay, Badstube, Vom Heißen Stein, Kurfürstlay, Beerenlay, Michelsberg, Sankt Michael und Probst-berg. Auch wenn in geringen Mengen Burgunder, Rivaner, Kerner und Dornfelder angebaut werden - die wichtigste Rebsorte der Mittelmosel ist der Riesling. Mehr als 60 Prozent der Rebfläche sind mit dieser spät reifenden, edlen Weißweinsorte bestockt. Grund für die Dominanz dieser Rebsorte ist ihre Eignung für das Anbaugebiet.Die steilen Schieferhänge über den Flüssen bieten ideale Bedingungen für den Anbau dieser Rebsorte. Sie bringt hier aufgrund ihrer langen Reifephase fruchtige, mineralische und langlebige Weine hervor. cmo

Zum Thema:
Der Fernwanderweg Moselsteig ist die neueste Attraktion an der Mosel. Die 365 Kilometer lange Wanderroute deckt den kompletten deutschen Lauf des Flusses von Perl bis zum Deutschen Eck in Koblenz ab. Die 24 Etappen des Moselsteigs mit Längen von 11 bis 24 Kilometern führen durch Weinberge, Felshänge, Wälder und vorbei an Burgen entlang der Flusslandschaft. Auf neun Etappen, mit den Ziffern fünf bis dreizehn, geht es durch die Region der Mittelmosel. An den Moselsteig sind zudem die Rundwanderwege "Seitensprünge" angeschlossen. cmo