"Einer immer größer werdenden Gruppe von schrumpfenden Kommunen steht eine kleiner werdende Gruppe von Städten gegenüber, die noch wachsen", sagte der Direktor des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung, Harald Herrmann, am Donnerstag bei der Vorstellung einer Studie in Berlin.

Die strukturschwachen Regionen liefen demnach Gefahr, wirtschaftlich weiter zurückzufallen. Dadurch sei der gesellschaftspolitische Anspruch gleicher Lebensbedingungen immer schwieriger zu erfüllen, so Herrmann. Womöglich müsse man "Schrumpfungen zulassen" und sich auf "Siedlungskerne" konzentrieren.

Münster, Frankfurt am Main oder Darmstadt sind von solchen Sorgen weit entfernt. Die drei Städte verzeichneten zwischen 2008 und 2013 einen Zuwachs an Neubürgern zwischen 8,9 und 7,3 Prozent - so viel wie in keiner anderen Ecke Deutschlands.

Unter den Top Ten liegen drei Großstädte in Ostdeutschland. Leipzig, Potsdam und Dresden legten zwischen sieben und 5,8 Prozent bei der Einwohnerzahl zu.

Hoyerswerda ganz vorn

Besonders düster sieht es dagegen in ostdeutschen Mittelstädten (20 000 bis 100 000 Einwohner) aus. Die drei am stärksten schrumpfenden Kommunen sind hier Hoyerswerda (Sachsen), Bitterfeld-Wolfen (Sachsen-Anhalt sowie Eisenhüttenstadt (Brandenburg). Sie verloren in der Zeit von 2008 bis 2013 ein Zehntel ihrer Bevölkerung.

In den alten Bundesländern macht sich das Phänomen ebenfalls bemerkbar, allerdings weniger flächendeckend. Auf mehr oder minder stark sinkende Einwohnerzahlen in den kommenden 20 Jahren müssen sich demnach die bayerische Grenzregion, das Ruhrgebiet sowie das Saarland einrichten.

Zu den klaren Gewinnern zählen die großen Regionen um München, Hamburg und Bonn. Spürbare Bevölkerungszuwächse in Ostdeutschland werden fast nur im Speckgürtel um Berlin erwartet. Mit Ausnahme ganz weniger Gebiete wie etwa des Landkreises Vechta in Niedersachsen haben Kommunen fernab der großen Metropolen generell schlechte Karten. Dort ging in den vergangenen Jahren nicht nur die Bevölkerungszahl zurück. Auch der Anteil der Erwerbsfähigen schrumpfte, was sich wiederum aus der Abwanderung junger Menschen in die Großstädte erklärt.

"In diesen Städten wird es enger, es fehlen bezahlbare Wohnungen, und in attraktiven Lagen werden Alteingesessene verdrängt, weil sie sich die Mieten nicht mehr leisten können", erläuterte Herrmann. Staatliche Ausgleichspolitik müsse sich deshalb sowohl auf die schwachen als auch die starken Regionen konzentrieren, so der Institutschef.

Was die immer dünner besiedelten, ländlichen Gebiete angeht, so wird man nach den Worten Herrmanns perspektivisch sicher nicht auch noch den letzten 20 verbliebenen Dorfbewohnern eine befriedigende Infrastruktur bieten können. Wohl aber gelte es, die bundesweit rund 900 Städte im ländlichen Raum als "Ankerplätze" für die dort lebende Bevölkerung zu erhalten.