Wo später einmal die Stuhlreihen für Veranstaltungen stehen sollen, liegt noch ein nackter Betonfußboden. Die Luft ist nasskalt. Durch den großen Raum weht ein unangenehmer Wind. Bauministerin Barbara Hendricks (SPD) und Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) tragen blaue Helme und gelbe Signalwesten. Umringt von einem Medientross loben sie die Architektur des Gebäudes. "Die Kombination ist besonders gelungen", sagt die SPD-Frau. "Das ist das bedeutendste Kulturprojekt Deutschlands", strahlt die Kabinettskollegin von der CDU.

Tatsächlich sorgte die Wiederauferstehung der Hohenzollernresidenz in Berlins Mitte lange Zeit fast nur für positive Schlagzeilen. Alte Hülle mit völlig neuem Inhalt. Wo einst Wilhelm Zwo umherwandelte, soll das Humboldtforum entstehen. Ein eindrucksvoller Ausstellungs- und Kulturtempel mit 41 000 Quadratmetern Nutzfläche. Fast so groß wie sechs Fußballfelder in Laufweite des Alexanderplatzes. "Berlin lädt seine Gäste ein, hier Weltbürger zu sein", schwärmt Grütters beim Rundgang über die Baustelle. Vor drei Jahren war Grundsteinlegung. Inzwischen steht der komplette Rohbau. Einschließlich der markanten Kuppel über dem Haupteingang. Dahinter prangt bereits ein riesiges Stahlskelett für die spätere Bedachung. Auch bei der historischen Stuckfassade gibt es sichtbare Fortschritte. Rund 60 Prozent sind bereits dran. Den Rest haben die Steinmetze schon gefertigt. Und auch das Eröffnungsjahr 2019 scheint wie in Stein gemeißelt. Das sind keine Selbstverständlichkeiten, wenn man bedenkt, wie sich Berlin mit dem Milliarden-Debakel beim BER zum Gespött der ganzen Republik gemacht hat. Überhaupt stehen große Bauprojekte eher unter einem schlechten Stern. Kostenexplosion, Terminverzögerungen, Personalprobleme, das kennt man nicht nur aus Berlin.

Inzwischen ist jedoch nicht mehr alles eitel Sonnenschein. Es begann Mitte Januar, als Manfred Rettig, der langjährige Baumanager, vom Vorsitz der Stiftung Berliner Schloss zurücktrat. Grund waren offenbar Querelen über das inhaltliche Konzept des Prachtbaus. Das Land Berlin hatte nämlich seine Schlosspläne geändert. Ursprünglich sollte sich im ersten Stock die Zentral- und Landesbibliothek mit einer Ausstellung zur Welt der Sprachen präsentieren. Aber Berlin entschied im vergangenen Jahr, stattdessen eine Ausstellung über die Geschichte der Stadt zu konzipieren. Von "Terminrisiken" war deshalb plötzlich die Rede. Denn erfahrungsgemäß fangen die Probleme oft mit dem Innenausbau an. Darüber hinaus wurde bekannt, dass 2015 Mehrkosten von 6,2 Millionen Euro wegen schlechter Planung bei der Gebäudetechnik entstanden waren. Nach einem Sachstandsbericht des Bundesbauministeriums ist damit der Puffer für unerwartete Zusatzkosten des auf insgesamt 595 Millionen Euro veranschlagten Projekts bereits um mehr als ein Drittel aufgebraucht. Unklar ist auch noch, was dem Kunsthistoriker Neil McGregor so alles vorschwebt. Der vormalige Direktor des Britischen Museums in London war im April 2015 zum Gründungsintendanten des Humboldtforums berufen worden, trat den Posten zum Jahreswechsel an.

Die beiden Regierungs-Damen reden nur ungern über derlei Probleme. Sie sind gekommen, um beim Medienpulk schön Wetter zu machen. "Bei aller künstlerischen Freiheit McGregors heißt das ja nicht, dass dafür Wände eingerissen werden", beruhigt Grütters. "Wir sind voll im Zeitplan. Verzögerungen beim Baufortschritt werden wir nicht zulassen", ergänzt Hendricks. Und dann verkünden die beiden noch einen Personalvorschlag für Rettigs Ersatz. Vorbehaltlich der endgültigen Entscheidung des Stiftungsrates am 15. März soll der bisherige kaufmännische Vorstand Johannes Wien, ein studierter Archäologe und Geologe, Stiftungssprecher werden. Und für das Baumanagement soll der bisherige Referatsleiter im Bauministerium, Hans-Dietrich Hegner, einspringen. Rettig hatte beide Posten inne.

Derweil blickt Hendricks scheinbar skeptisch an die Decke des Rohbaus. Dort haben sich ein paar Vögel eingenistet. "Hoffentlich bilden sich da keine Biotope", sagt die SPD-Politikerin augenzwinkernd. Sonst käme es womöglich doch noch zu Verzögerungen.