Rein äußerlich trifft dies auch jetzt noch zu. Doch heute erzeugt der Reaktor keine Energie mehr aus Kernbrennstäben. "Zum 30. Juni 2005 lief die Betriebserlaubnis aus", erklärt Uwe Heidrich. Der Diplomingenieur leitet das kerntechnische Labor der Hochschule Zittau-Görlitz und zeichnet in dieser Funktion auch für den ehemaligen Reaktor verantwortlich. "Die Außerbetriebnahme erfolgte bereits im März 2005", fügt er hinzu. Am 3. Mai 2006 wurde der Reaktor aus dem Atomrecht entlassen. Und doch - so ganz trennen wollte sich die Hochschule von dem traditionsreichen Gerät auch nicht. "So entstand die Idee, den Reaktor zu einem Simulationsmodell umzufunktionieren", berichtet Uwe Heidrich. "Die Alternative wäre die Zerstörung gewesen." Und so machten sich mehrere Studenten daran, den Reaktor nach der Überprüfung und Freigabe aller Einzelteile wieder zusammenzubauen. Nunmehr präsentiert sich der Reaktor äußerlich wieder genauso wie vor der Demontage - nur dass er nie wieder Energie erzeugen und Strahlung abgeben kann. "Alle dafür erforderlichen Teile wurden ausgebaut oder durch Atrappen ersetzt", erklärt der Laborleiter.
Christian Pietsch hat durch den Wiederaufbau mehr über das Innenleben eines Atomreaktors erfahren, als dies aus Lehrbüchern je möglich gewesen wäre. "Ich bin der Meinung, dass Kerntechnik eine Studienrichtung mit Zukunft ist", erklärt der junge Dresdner, der im siebten Semester an der Fachhochschule studiert. Und das, obwohl die politischen Zeichen eigentlich auf Ausstieg stehen. "Dies trifft jedoch nur auf Deutschland zu", zeigt sich Christian überzeugt. Außerdem wisse noch niemand, was die Zukunft bringt. Er mache sich um seine Berufschancen jedenfalls keine Sorgen. Sebastian Seidel hat sich eigentlich auf konventionelle Kraftwerkstechnik spezialisiert, will jedoch so viel wie möglich über die verschiedenen Arten der Energieerzeugung wissen. "Und wann hat man schon die Chance, einen Reaktor von Grund auf kennenzulernen", meint der junge Bernstädter, der sich ebenfalls tatkräftig am Aufbau beteiligt.
Mit dem Einbau der Steuerstäbe, die man noch von der Überprüfung in Rossendorf zurück erwartet, könnte der Wiederaufbau abgeschlossen werden. Doch Uwe Heidrich und seine jungen Mitstreiter haben noch weiter gehende Pläne: "Mithilfe eines Computers könnten Prozesse simuliert werden, die früher im Reaktor abliefen", meint der Diplomingenieur. Der ehemalige Reaktor könnte dann wieder zu Lehrzwecken dienen. Doch auch die Öffentlichkeit soll Zutritt erhalten - eine Art interaktive technische Schauanlage also, mit allem was einst dazugehörte - einschließlich der Schleuse, die jeder Mitarbeiter passieren musste. Dieses Vorhaben - Uwe Heidrich nennt es den "2. Bauabschnitt" - bedarf allerdings noch der finanziellen Untersetzung.