Noch sitzt Martin Reichert gelassen an seinem Platz bei der Berufe-Weltmeisterschaft World Skills auf der Leipziger Messe. Bevor die großen Wettkämpfe am Mittwoch starten, darf der 21-jährige Blondschopf mit seinem Teamkollegen Thomas Kühler seine kleine Tüftelbucht einrichten. Neben den beiden Erfurtern steht ein kleiner Roboter mit einer Stapelgabel. "Wir kontrollieren, ob die Geräte funktionieren", sagt Reichert.

Auch an 45 anderen Wettkampfstätten erhalten die mehr als 1000 WM-Teilnehmer aus 53 Ländern ihre Einweisungen. 200 000 Gäste werden zur ersten Berufe-WM auf deutschem Boden seit 40 Jahren erwartet.

"Unsere erste Aufgabe wird die Programmierung dieses Roboters sein, damit er programmgesteuert mehrere Holzpaletten von unterschiedlich hohen Holzklötzen im Parcours abholt und ins Ziel bringt", erklärt Reichert, der mit Kühler die deutschen Nationalfarben in der Disziplin mobile Robotik vertritt. Wie der Parcours genau aussieht, wissen die 19 Teams erst zum Wettkampf.

Beim Tüfteln können alle Teilnehmer während der vier Wettkampftage hautnah beobachtet werden. Direkt hinter flachen Banden flanieren die Besucher und schauen den Talenten über die Schulter. "Das ist auch das besondere Feeling dieser WM, die Besucher müssen nicht brav auf Rängen sitzen, sondern können mittendrin das Geschehen erleben", schwärmt der Geschäftsführer von World Skills Germany, Hubert Romer.

Die Erfurter Robotiker bauen in ihrem Berufsleben eigentlich Großpressen zusammen. Die Roboter entdeckten sie in der Berufsschule. "Das meiste habe ich mir selbst beigebracht", erzählt Reichert. Er ist fast schon ein alter Hase bei der Berufe-WM für die 16- bis 23-Jährigen. Der 21-Jährige ist amtierender Deutscher und Europa-Meister. Das Robotik-Team gilt in der 42-köpfigen deutschen Mannschaft als einer der Favoriten auf Edelmetall. In der Nationenwertung soll dieses deutsche Team am Ende auf Rang 10 klettern, wünscht sich Geschäftsführer Romer. "Ich traue ihm sogar Platz fünf und besser zu."

Denn es sei das größte Nationalteam, das Deutschland jemals in eine Berufe-WM entsandt hat. Dazu kommt der Heimvorteil. Gute Chancen auf eine Medaille räumt Jörg Wehrmann, Sprecher des Nationalteams, etwa den Drehern und Fräsern, der Druckerin, den Schreinern und dem Stuckateur ein.

Dass die deutsche Auswahl im Vergleich zur vorigen WM in London 2011 fast doppelt so groß sei, liegt laut Wehrmann in der steigenden Popularität des internationalen Wettstreits. Zudem könnten mehr Berufsanfänger mit den Besten der Welt mithalten.

Doch auch die anderen Nationen werden besser. "Vor allem Brasilien hat in den Wettbewerben der vergangenen Jahre aufgeholt, auch die asiatischen Teams verdienen sich immer wieder großen Respekt", sagt Wehrmann. Der deutsche Teilnehmer bei den Kfz-Mechatronikern, Robert Bartsch, sieht das internationale Messen sportlich. "Wir sitzen doch alle im gleichen Boot", sagt der 21-Jährige aus dem nordrhein-westfälischen Brilon. "Als Gegner sehe ich die anderen Teilnehmer eigentlich nicht, eher als Mitbewerber", sagt er.