Patrik Skovran (30) aus Cottbus hat sich aus der Gruppe von zum Teil vermummten jungen Männern abgesondert. Er steht hinter einer Haus ecke, beobachtet einen Polizisten und dessen Hund. Urplötzlich springt er hervor, greift den Uniformierten an. Rex, der siebenjährige Schäferhund, reagiert blitzschnell, beißt in den Arm des Täters, lässt sich nicht abschütteln. Erst, als der stillhält und Polizeihauptmeister Wolfgang Mischeck vom Schutzbereich Oberspreewald-Lausitz den entsprechenden Befehl gibt, zieht sich Rex zurück. Wachsam beobachtet er das weitere Geschehen. Als der Angreifer sich der Durchsuchung widersetzt und auf den Polizisten einprügeln will, springt der Hund zum Schutz seines Herrchens in Bruchteilen einer Sekunde dazwischen. „Gut gemacht“ , lobt ihn Wolfgang Mischeck, klopft seinem vierbeinigen Gefährten anerkennend das Fell. „Wenn ich das mache und anschließend noch mit ihm spiele, ist das für Rex die größte Anerkennung“ , sagt Mischeck.

Zusammenspiel trainieren
Was hier in einer Ecke des Fahrerlagers auf dem Eurospeedway Lausitz geschieht, ist Teil des Übungsszenarios auf der Rennstrecke. Patrik Skovran ist einer von 70 Männern, die randalierende Fußball-Fanatiker und Hooligans spielen und die Hundeführer in Situationen bringen, wie sie auch beim kommenden Weltfußball-Fest in Deutschland entstehen könnten. Die „Gewalttäter“ sind, so wie Patrik Skovran, normalerweise Hundesportler beim Polizeisportverein in Cottbus oder gehören der Landeseinsatz-Einheit der brandenburgischen Polizei an. Diesmal ist es ihr Auftrag, zu provozieren, Knallkörper zu werfen, Polizisten anzugreifen.
Nur wenige, die ihnen gegenüberstehen, haben Erfahrungen mit Stadien und aufgeputschten Fußball-Fans. Andreas Schötz (30), Leiter der Hundestaffel des Polizeischutzbereiches Cottbus und Spree-Neiße, gehört zu den Erprobten. Er sichert mit seinen Kameraden Bundesliga-Spiele des FC Energie Cottbus ab. Bei der Übung auf dem Lausitzring führt er einen Zug von 30 Polizistinnen und Polizisten mit ihren Hunden aus der Region und aus anderen Schutzbereichen.
Auf sein Kommando hört diesmal auch Polizeimeisterin Jutta Gerlach (45) aus Fürstenwalde. Sie spürt, dass ihr belgischer Schäferhund-Rüde Jacky (8) angesichts der Meute, die sich nähert, und der kläffenden Artgenossen rechts und links von ihm angespannter ist. Alles ist für ihn neu. Auch Jutta Gerlach muss sich anpassen. „Es ist wichtig, aufeinander eingespielt zu sein“ , sagt sie. Eine schwache Stelle in der Polizeikette würden gut organisierte Provokateure sofort nutzen, eine Unachtsamkeit könnte zu Verletzungen in den eigenen Reihen führen.
„Asphalt oder Gitter als Untergrund, enge Treppenaufgänge und Tribünen sind für die Hunde eben etwas völlig anderes als Wald und Wiesen, auf denen sie oft trainieren. Daran sollen sie sich gewöhnen“ , nennt Rainer Hänel vom Polizeischutzbereich Oberspreewald-Lausitz das Hauptanliegen der Übung, die er koordiniert. „Der Hund ist ein Erfahrungstier. Man muss ihn auf alles vorbereiten“ , ergänzt Schötz.
In der Tat macht auch hier erst Übung den Meister. Die erste Kette, die die Beamten zur Abwehr der Hooligan-Gefahr bilden, sieht eher wie eine Schlangenlinie aus. Die Hunde versuchen zunächst, untereinander die Kräfte zu messen, dem Artgenossen überlegen zu sein. Mit der Zeit klappt es besser - beim Zurückdrängen der Angreifer, beim Auflösen ihrer Gruppe, der Festnahme Einzelner. Patrik Skovran, der neugierig war, was man „auf der anderen Seite fühlt“ , gibt zu: "Im Ernstfall würde ich so still stehen, wie es die Nerven erlauben. Ein Hundebiss ist schmerzhafter als ein Stockschlag."

„Rowdys“ ohne Chancen
Niemand unter den Uniformierten wünscht sich, dass das auf dem Lausitzring Simulierte im Juni und Juli eintrifft. „Es ist aber nicht auszuschließen“ , weiß Uwe Skalske. Er leitet im Polizeipräsidium Frankfurt (Oder) die Vorbereitungsgruppe Einsatzdienst für die WM. „Wir wissen nicht, wie viele Fußball-Fans bei uns über die Grenze kommen, um die Spiele zu besuchen. Diese müssen wir ohne Zwischenfälle zu den Spielorten geleiten“ , umreißt er ein Einsatzgebiet der hiesigen Polizei. Ein anderes sind Großveranstaltungen mit Videoübertragungen der Spiele in Städten und Kommunen. „Bei zunehmender Hitze und steigendem Alkoholspiegel könnte es zu Zwischenfällen kommen, auf die wir vorbereitet sein müssen“ , so Skalske. „Videos von deutschen und polnischen Hooligans zeigen, wie brutal die sein können.“
Polizeihunde sind bei der Schlichtung von Auseinandersetzungen eine wichtige Stütze. „Ein Diensthund ersetzt bei solch einem Ereignis zehn bis 15 Beamte“ , sagt Andreas Schötz aus Erfahrung. „Rowdys“ wie Patrik Skovran hatten auf dem Lausitzring gegen die bissigen Polizei-Helfer keine Chance. Und sie waren froh, bei den Attacken gut gepolstert gewesen zu sein.