"An der BTU Cottbus-Senftenberg hat sich ein ‚Wir-Gefühl‘ entwickelt, das die Bereitschaft erkennen lässt, den Neugründungsprozess aktiv zu gestalten", sagte der Vorsitzende des Expertengremius, Prof. Manfred Prenzel. "Gleichwohl befindet sich der Fusionsprozess noch am Anfang."

Deutliche Kritik übten die Gutachter allerdings in Detailfragen: So sollten die Strukturen der Fakultäten vier und fünf weiter überdacht werden. "Der Wissenschaftsrat ist der Auffassung, dass die wissenschaftliche Aufbaustruktur der BTU Cottbus-Senftenberg so gestaltet sein sollte, dass alle Fakultäten jeweils ein erkennbares und eigenständiges Profil entwickeln", heißt es in dem Gutachten. Zu breit und allgemein angelegt sind nach Auffassung der Experten die sogenannten Zukunftsfelder, in denen die Universität ihre Forschungsschwerpunkte festgelegt hat. Sie sollten deutlich präzisiert, konkretisiert und stärker mit der Region verknüpft werden - der Wissens- und Technologietransfer in die Unternehmen der Region sollte "zu einer personenunabhängigen Strategie verzahnt, ausgebaut und institutionell verankert werden". Zudem sollten auch die Geistes- und Sozialwissenschaften stärker an den Forschungsschwerpunkten der Universität beteiligt werden.

Insgesamt muss die BTU im Forschungsbereich noch deutlich aktiver werden. "Der Standort sollte im Forschungsbereich soweit handlungsfähig werden, dass ihm zugetraut werden kann, die Instrumente der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) erfolgreich zu nutzen ", sagte der Generalsekretär des Wissenschaftsrates, Thomas May. Zwar habe die Universität 2014 insgesamt 34 Millionen Euro Drittmittel eingeworben, das sei aber noch längst nicht das maximal Mögliche. "Von den großen Technischen Universitäten in München oder Aachen ist die BTU weit entfernt", sagte May. "Es ist aber auch nicht sinnvoll, sie damit zu vergleichen - ihre Stärke ist die Kombination aus Universität und Fachhochschule."

Wissenschaftsstaatssekretär Martin Gorholt (SPD) begrüßte den Expertenbericht. Die Stellungnahme enthalte wichtige Anregungen vor allem zur Struktur der Fakultäten. "Die Universität ist für die Region ein Innovationsmotor und eine wichtige Identifikationsmarke. Sie ist für Südbrandenburg ein struktureller Anker, der mit einem attraktiven, innovativen Studienangebot junge Menschen anziehen, Zuwanderung stärken und Abwanderung verhindern soll", so Gorholt. Dieses Profil wolle die Landesregierung ausbauen und sehe sich vom Wissenschaftsrat bestärkt.