Eine Stunde länger schlafen: In Deutschland geht Sonntagfrüh, 25. Oktober 2020, die Sommerzeit zu Ende. Was das bedeutet, wie über die Zeitumstellung diskutiert wird und ob es bei Sommerzeiten und Winterzeiten bleibt: In diesem Überblick erhalten Sie die Antworten auf diese Fragen.

Wann beginnt die Winterzeit 2020/2021?

Pünktlich um drei Uhr werden am 25. Oktober 2020 die Uhren um eine Stunde auf 2.00 Uhr zurückgestellt. Dann gilt bis Ende März wieder die Normalzeit, oft auch Winterzeit genannt.
Winterzeit: Die Uhren müssen eine Stunde zurückgestellt werden.
Winterzeit: Die Uhren müssen eine Stunde zurückgestellt werden.
© Foto: dpa-infografik GmbH/Bearbeitung: LR Online

Wann beginnt die Sommerzeit 2021?

Am 28. März 2021 werden die Zeiger wieder um eine Stunde vorgedreht. Im nächsten Jahr sollte die Zeitumstellung eigentlich abgeschafft werden, so zumindest beschloss es das Europäische Parlament 2019. Dass es dazu kommt, ist aber mehr als fraglich.

Warum gibt es in der Europäischen Union Zeitumstellungen?

Ein Ende der halbjährlichen Zeitumstellung auf europäischer Ebene ist derzeit nicht in Sicht, weil es keine ausreichende Mehrheit unter den 27 Mitgliedstaaten gibt, welche Zeit künftig gelten soll.
Ein Flickenteppich verschiedener Zeitzonen unter Nachbarstaaten soll vermieden werden. Es fehle derzeit eine europaweite Folgenabschätzung, hieß es dazu kürzlich von der Bundesregierung.

Seit wann gibt es Sommerzeit und Winterzeit?

Die Zeitumstellung wurde 1980 eingeführt. Damals war das Ziel, die Tageshelligkeit besser ausnutzen zu können. Bei einer dauerhaften Sommerzeit würde es im Westen des Kontinents im Winter sehr spät hell werden. Bei einer ständigen Winterzeit würde die Sonne im Sommer im Osten sehr früh aufgehen.

Hat die Zeitumstellung Nebenwirkungen bei Menschen?

Nach einer Umfrage der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) leiden vor allem Familien darunter, wenn die Uhren wieder umgestellt werden. Kinder müssten sich an neue Schlafenszeiten gewöhnen.
Bei einer Forsa-Umfrage im Jahr 2019 gaben mehr als die Hälfte der Befragten an, ihr Nachwuchs habe dadurch Einschlafprobleme und sei gereizter oder müder als gewöhnlich.
Die Krankenkasse DAK-Gesundheit schreibt auf Basis einer repräsentativen Umfrage, dass 29 Prozent der Menschen in Deutschland nach einer Zeitumstellung an körperlichen oder psychischen Problemen litten.
Sie fühlten sich schlapp und müde oder hätten Einschlaf- und Durchschlafstörungen. 76 Prozent der Befragten fänden, dass die Umstellung überflüssig sei und abgeschafft gehöre.

Wer ist für die exakte Zeitumstellung zuständig?

Der technische Impuls zur Zeitumstellung geht in Deutschland von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig aus. Die Behörde ist für die Verbreitung der gesetzlichen Zeit in Deutschland zuständig.
Experten des Instituts sorgen dafür, dass über einen Langwellensender mit Namen DCF77 in Mainflingen bei Frankfurt/Main Funkuhren, Bahnhofsuhren und viele Uhren der Industrie mit dem Signal versorgt werden.

Wie sehen die EU-Bürgerinnen und Bürger die Zeitumstellung?

In einer EU-weiten Onlineumfrage im Jahr 2018 hatten sich 84 Prozent der Befragten für das Ende der Zeitumstellung ausgesprochen. „Die Zeitumstellung gehört abgeschafft“, sagte damalige Kommissionschef Jean-Claude Juncker daraufhin. Im März 2019 votierte das Europaparlament mit deutlicher Mehrheit dafür, die Umstellung 2021 abzuschaffen.
Die unter Juncker eingeleitete Umfrage legt nahe, dass das Thema die Menschen in Deutschland mehr umtreibt als in anderen EU-Staaten: Von den 4,6 Millionen Teilnehmern kamen drei Millionen aus der Bundesrepublik. Die Gesamtzahl der Abstimmenden entsprach einem Prozent der EU-Bevölkerung.

Wie diskutiert die Politik die Zeitumstellung?

Der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Michael Theurer, hat die Regierung aufgefordert, ihre EU-Ratspräsidentschaft für eine Initiative zu nutzen. "Es kommt jetzt auf die Bundesregierung an, eine Mehrheit für eine flächendeckende Abschaffung der Zeitumstellung zu organisieren", sagte Theurer dem Handelsblatt.
Begründung des FDP-Manns: Die bisherige Regelung schaffe gesundheitliche Probleme, insbesondere bei Kindern und älteren Menschen. Gleichzeitig seien die mit der Sommer- und Winterzeit verbundenen Energieeinsparziele nicht erreicht worden.
Von EU-Diplomaten hieß es dazu im Oktober 2020, dass das Thema während der laufenden deutschen Ratspräsidentschaft nicht mehr groß diskutiert werde. Es gebe sehr viele andere Themen, die drängender seien als die Zeitumstellung.

Wie steht die Bundesregierung zu Sommerzeit und Winterzeit?

Die deutsche Regierung hat sich nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums noch nicht entschieden, ob sie eine dauerhafte Sommer- oder Winterzeit bevorzugt. "Aus Sicht der Bundesregierung ist es wichtig, Zeitinseln zu verhindern und einen harmonisierten Binnenmarkt zu gewährleisten", teilt das Ministerium mit.
Voraussetzung für ein angemessenes und harmonisiertes Vorgehen sei auch eine europaweite Folgenabschätzung. Die EU-Kommission habe bislang eine solche Folgenabschätzung noch nicht vorgelegt.

Was wäre Folge einer dauerhaften Sommerzeit in Europa?

In der EU gibt es drei Zeitzonen, die größte von ihnen, die der Mitteleuropäischen Zeit, reicht von Spanien bis Polen. Bei einer dauerhaften Sommerzeit würde es im Winter im Westen - aber auch im Nordwesten - des Kontinents erst am Vormittag hell. In Vigo an der spanischen Atlantikküste würde die Sonne am 21. Dezember dann erst um 10.01 Uhr aufgehen, in Brest in der französischen Bretagne um 10.07 Uhr und im norddeutschen Emden um 09.45 Uhr.

Was bedeutet eine dauerhafte Winterzeit in Europa?

Bei einer dauerhaften Winterzeit wiederum würde es im Sommer nicht nur im Biergarten oder in der Strandbar eine Stunde früher dunkel als gewohnt. Die Sonne würde im Osten der EU auch extrem früh aufgehen: In Bialystok in Polen wäre das am 21. Juni um 03.01 Uhr, in Warschau um 03.15 Uhr und in Berlin um 03.44 Uhr.