Angetreten waren am Donnerstagabend zwei Doktoranden, eine Professorin und ein Student. Nur zehn Minuten hatten sie Zeit, um ihre Arbeit einem breiten Publikum verständlich zu machen. Statt zu dichten, wie beim bekannteren Poetry Slam, mussten die Wissenschaftler möglichst verständlich und unterhaltsam ihre eigene Forschungsarbeit präsentieren.

Ob Tanz, Gesang oder Pantomime - der Kreativität der Teilnehmer waren keine Grenzen gesetzt. Moderator Wolfgang Donsbach sagte, der Wettstreit solle zeigen, dass Wissenschaft interessant und gleichzeitig auch humorvoll sein könne. „Die Teilnehmer versuchen, Laien einen Eindruck davon zu vermitteln, was Wissenschaft ist“, erläuterte der Kommunikationswissenschaftler.

Was Wissenschaft ist und ob diese auch unterhaltsam sein kann, wollten viele Studenten und Lehrende wissen. Schon vor Beginn der Veranstaltung war im Audimax, dem größten Hörsaal der TU, kein freier Platz mehr zu haben.

Zu den Mutigen, die vor Hunderten Zuschauern ihre Arbeit auf eine außergewöhnliche Weise präsentierten, gehörte Kai Rieger, der an der TU Leichtbau und Kunststofftechnik studiert. Sein Thema beim Wettstreit: Vorgänge in Metallgefügen anschaulich gemacht durch Pogotanz. Dabei handelt es sich um einen Tanzstil, bei dem sich die Tänzer kurz und teilweise heftig anrempeln. Die Tänzer kamen aus dem Publikum, für Rieger überraschenderweise mehr Frauen. „Das bin ich als Maschinenbauer ja gar nicht gewöhnt“, sagte der Student in Anspielung darauf, dass der Frauenanteil in technischen Studiengängen häufig recht gering ist. Die Tänzer stellten in seinem Beitrag Atome in Metallen dar: Je schneller oder langsame, enger oder weiter voneinander entfernt sie tanzten, desto fester oder weicher sind die Metalle.

Mit seinem Beitrag wolle er ein recht kompliziertes Thema einfach erklären, sagt Rieger. Das gleiche Ziel hatte auch ein Biologie-Doktorand, der Forschungen zur Heilung von Aids erklärte, während er Klavier spielte. Erstmals in Deutschland aufgetaucht ist das Phänomen Science Slam 2006, nach einer Idee von Alex Dreppec. Er promovierte damals im Fach Psychologie über die Verständlichkeit wissenschaftlicher Texte und trat auf Poetry Slams auf. Da lag es für ihn nahe, einen Science Slam auf die Beine zu stellen: „Es war schon immer mein Anliegen, wissenschaftliche Erkenntnisse verständlicher vermitteln zu können, als es häufig geschieht“, sagte Dreppec. An der TU gab es einen ersten Science Slam im Juni 2010. Mittlerweile fand der außergewöhnliche Wettbewerb zum dritten Mal statt, organisiert von der TU und dem Max Planck Institut für Molekulare Zellbiologie und Genetik.

Die Abstimmung über den Sieg sollte eigentlich mit bunten Leuchtstäbchen erfolgen, die computergestützte Auswertung funktionierte allerdings nicht. Deshalb stimmte das Publikum ganz klassisch ab: mit Applaus. Weil der Applaus bei zwei Slammern so überwältigend war, ging der Sieg an Kai Rieger und an die Doktorandin Madina Karimova vom Max Planck Institut.

Die junge Wissenschaftlerin sprach in ihrem Beitrag über Möglichkeiten von DNA-Veränderungen etwa zur Heilung von Krankheiten.