Von Silke Halpick

„Mit einer Steigung von 45 bis 50 Grad wird das Flugzeug in den Parabelflug gehen“, sagt Christoph Egbers, Inhaber des Lehrstuhls Aerodynamik und Strömungslehre an der BTU Cottbus. Seine rechte Hand zeichnet die Kurve in der Luft nach. Eine G-Kraft von 1,8, was fast der doppelten Schwerkraft entspricht, wirkt auf Insassen und Material. „Die Phase der Schwerelosigkeit dauert nur 22 Sekunden“, so Egbers.

Dieser kurze Zeitraum steht den Cottbuser Wissenschaftlern für ihr Experiment zur Verfügung. Untersuchen wollen sie, wie sich der Wärmeaustausch zwischen Flüssigkeiten ändert, wenn ein elektrisches Kraftfeld anliegt und es keine störenden Einflüsse durch die Schwerkraft der Erde gibt. Das ist in der Praxis wichtig, um Wärmetauscher, die in Heizungen, aber auch Satelliten eingesetzt werden, weiter zu optimieren.

Parabelflug-Experimente dauern drei Tage lang

Zwei Boxen haben die Physiker gepackt, die am Dienstag auf die Reise ins französische Bordeaux gehen. Das fünfköpfige BTU-Team folgt am Wochenende. Die Parabelflug-Experimente starten am 10. September und dauern drei Tage.

Zehn bis zwölf unterschiedliche Teams nehmen erfahrungsgemäß daran teil, wie Martin Meier erklärt. Er wird ebenfalls als Leiter des BTU-Teams vor Ort sein, die Technik fürs Experiment präparieren und notfalls auch in die Versuchsanordnung eingreifen.

„Das Experiment läuft weitgehend automatisiert“, betont Egbers. Das Herzstück des Versuchs sind zwei Zellen in einer großen Box, deren Röhren mit zwei unterschiedlichen Silikonölen mit höherer und niedrigerer Viskosität (Zähflüssigkeit) gefüllt sind. „Die Strömungseigenschaften hängen entscheidend von der Viskosität der Flüssigkeit ab“, betont Meier.

Erstmals können diese Strömungen auch auf dem Kontrollbildschirm visuell dargestellt werden. Möglich ist das durch kleinste Partikelteilchen, die den Flüssigkeiten zugesetzt sind, wie Egbers erklärt. Eine spezielle Schattentechnik soll auch die Optik verbessern, so Meier

Zehnter BTU-Parabelflug und trotzdem herrscht Nervosität

Für die BTU-Wissenschaftler ist es bereits das zehnte Parabelflug-Experiment. „Ein kleines Jubiläum“, sagt Egbers. Seit 2009 ist sein Lehrstuhl statisch gesehen jedes Jahr einmal mit dabei. Doch selbst diese Erfahrung schütze nicht vor der Nervosität vor dem Start, wie er einräumt. Kein Wunder: Alles muss funktionieren. Seit rund sechs Monaten laufe bereits der Austausch mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), was technisch und wissenschaftlich möglich ist, so Egbers.

Für insgesamt 93 Parabelflüge an drei Tagen wird die A 310 Zero G, ein für Forschungsflüge ausgelegtes Flugzeug des französischen Unternehmens Novespace, in die Luft gehen. Mit an Bord ist dann auch Antoine Meyer, einer von insgesamt drei BTU-Mitfliegern. Er findet das Experiment aus wissenschaftlicher Sicht äußerst interessant, hat bereits zu einem ähnlichen Thema promoviert, liebt die besondere Erfahrung und vor allem das Gefühl der Schwerelosigkeit.

Auch Christoph Egbers könnte theoretisch mitfliegen, überlässt das Feld aber lieber den Jüngeren, wie er sagt. Meist wird den Teilnehmern vor dem Flug zur Beruhigung und um das Brechzentrum im Gehirn zu hemmen, das Medikament Scopolamin verabreicht. Aus Agentenfilmen sei das Mittel auch als Wahrheitsserum bekannt, sagt Meier.