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| 15:46 Uhr

Wetter
Weiße Weihnachten meist nur ein Traum

Ein beleuchteter Weihnachtsbaum steht zur blauen Stunde am 21. Dezenmber 2010 am zugefrorenen Kutterhafen von Greetsiel (Kreis Aurich). Solche Bilder sind zu Weihnachten aber nicht typisch.
Ein beleuchteter Weihnachtsbaum steht zur blauen Stunde am 21. Dezenmber 2010 am zugefrorenen Kutterhafen von Greetsiel (Kreis Aurich). Solche Bilder sind zu Weihnachten aber nicht typisch. FOTO: Ingo Wagner / dpa
Berlin . Viele Menschen haben das Gefühl: „Als ich ein Kind war, lag an Weihnachten immer Schnee.“ Falsch, sagen Wissenschaftler. Nassgraues Schmuddelwetter sei typisch – und zwar schon seit Langem. dpa

Alle Jahre wieder träumen wir von weißen Weihnachten. Die schnöde Statistik entzaubert den Mythos allerdings gewaltig: In vielen Regionen Deutschlands gebe es höchstens alle fünf bis zehn Jahre mal weiße Weihnachten, sagt Diplom-Meteorologe Andreas Friedrich vom Deutschen Wetter-Dienst (DWD) in Offenbach. Häufig gebe es gerade um Weihnachten herum Tauwetter.

Die Experten sprechen von weißer Weihnacht, wenn an allen drei Festtagen morgens um 7 Uhr eine Schneedecke von mindestens einem Zentimeter liegt – ob frisch oder Schmuddelschnee aus den Tagen zuvor spielt keine Rolle. Die Analyse der Daten aller DWD-Wet-
terstationen aus den vergangenen  50 Jahren zeigte: Nur auf der Zugspitze gibt es immer weiße Weihnachten. „Auf Helgoland können die Menschen das im Mittel nur alle 50 Jahre erwarten“, sagt Friedrich.

Zweitgrünste Region an den Feiertagen ist demnach das Rheintal mit einer Weiße-Weihnacht-Wahrscheinlichkeit von nur zehn Prozent. In Städten wie Düsseldorf und Frankfurt liegt im Mittel nur alle zehn Jahre mal Schnee an den Feiertagen – in Berlin doppelt und in München viermal so oft. „Im Osten und Süden ist die Wahrscheinlichkeit höher als im Westen und Norden, in den Bergen höher als im Flachland“, erklärt Friedrich.

Wie lautet das Rezept für weiße Weihnachten? „Schnee muss schon gefallen sein oder fallen, die Temperaturen müssen unter dem Gefrierpunkt liegen, und der Boden muss gefroren sein“, sagt Friedrich. Seltsamerweise scheinen diese Faktoren ausgerechnet an Weihnachten seltener zusammenzukommen: Um den 24. Dezember herum gebe es etwas häufiger milde Temperaturen, die Schnee wegtauen oder gar nicht erst liegenbleiben lassen. „Warum das ausgerechnet an  Weihnachten   passiert? Man  weiß  es nicht.“

Wenn weiße Weihnachten so selten sind, warum ist die Vorstellung davon so stark in unseren Köpfen verankert? Joachim Curtius vom Institut für Atmosphäre und Umwelt der Universität Frankfurt vermutet psychologische Effekte. „Man wünscht sich einen Winter, in dem Kinder den geschenkten Schlitten ausprobieren können, so wie man sich Freibadwetter im Sommer wünscht.“ Befeuert werde diese schöne Vorstellung gewiss auch durch die Werbung, die quasi ausschließlich heile, weiße Weihnachtswelten zeige. „Das ist bestimmt ein wesentlicher Faktor für die Verschiebung der Wahrnehmung dahin, dass  weiße  Weihnachten   der  Normalfall sind.“

Vom Mythos zur Wahrheit werden weiße Weihnachten auch künftig nicht - eher ist noch mehr Illusion vonnöten. „Bisher lässt sich aus der Statistik zwar noch nicht sicher ableiten, dass es weniger weiße Weihnachten gibt“, sagt Klimaforscher Curtius. „Die Simulationen für den Klimawandel lassen aber klar einen Trend zu milderen Wintern erwarten.“