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| 10:39 Uhr

Persönlich Peter-Paul Zahl
Vom Apo-Attentäter zum schelmischen Erzähler

Hinter Gefängnismauern begann der Wandel des naiven Aktivisten.

Hinter Gefängnismauern begann der Wandel des naiven Aktivisten.

Er ist die vielleicht skurrilste Gestalt der Studentenrevolte. Und dass man in diesem unbekümmerten Ton von Peter-Paul Zahl, dem Kleinverleger und Dichter, dem Drucker und Apo-Aktivisten, heute überhaupt sprechen kann, ist wahrscheinlich nur dem Glück zu verdanken. Denn es hat nicht allzu viel gefehlt, und Zahl wäre zum Mörder geworden. Es war 1972, als er sich in der Düsseldorfer Altstadt einer Personenkontrolle entzog, flüchtete und schließlich wild um sich schoss. Ein Polizist ist damals schwer verletzt worden, Peter-Paul Zahl auch. 1973 verurteilte ihn das Düsseldorfer Landgericht zu vier Jahren Haft - wegen gefährlicher Körperverletzung; doch nur ein Jahr später legte der Bundesgerichtshof nach. Diesmal lautete die Anklage auf doppelten Mordversuch und das Urteil auf 15 Jahre Haft. Heftige Proteste folgten auf das zweite Urteil gegen einen Träumer, wie manche sagten, einen "engagierten Kämpfer der Freiheit", wie es der Lyriker Erich Fried formulierte. Etwas früher wurde Zahl dann doch noch aus der Haft entlassen, 1982 war das. Er trat ins Leben als neuer Mensch, der über den früheren nur ungläubig staunen konnte. Fremd geworden war er sich wegen seines Glaubens an eine Idee, die auch vor Leichen nicht zurückschreckte. Peter-Paul Zahl konnte einfach nicht begreifen, wozu der junge Mann einst imstande war. Die Haft hat ihn tatsächlich zu einem formidablen Erzähler und Lyriker gewandelt. Noch hinter den Gefängnismauern war ihm der Bremer Literaturpreis zugesprochen worden. Im Knast lernte er zudem den Kölner Domschatzräuber von 1975 kennen. Dessen Geschichte schrieb er als eine phantasiereiche Schelmengeschichte auf. Weil ihn eben alle Menschen interessierten, die knapp am Galgen vorbeischrammten, so, wie er selbst. Bis zu seinem Tod 2011 lebte er dann auf Jamaika. Vermietete dort ein kleines Ferienhäuschen und schrieb Krimis um den Privatdetektiv Ruffneck. Ein beschauliches Leben zuletzt, ein glückliches und ein lehrreiches obendrein.

Lothar Schröder

(RP)