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| 09:48 Uhr

Baltimore
Studie: Impfungen haben 1,3 Millionen Leben gerettet

Baltimore. Die Zahl von Kindern, die an Lungen- und Hirnhautentzündungen sterben, soll durch Impfprogramme stark gesunken sein.

Allein Impfungen gegen gefährliche Lungen- und Hirnhautentzündungen haben einer Hochrechnung zufolge zwischen 2000 und 2015 mehr als 1,3 Millionen kleinen Kindern weltweit das Leben gerettet. Vor allem der Start von Impfprogrammen in armen Ländern gegen die Haupterreger - Pneumokokken und Haemophilus influenza Typ B (HiB) - habe die Zahl der Erkrankungen und Todesfälle drastisch reduziert, schreiben US-Forscher im Journal "The Lancet Global Health".

Ihre Berechnungen ergaben: Starben im Jahr 2000 noch 600.000 HIV-negative Kinder unter sechs Jahren an Pneumokokken-Infektionen, waren es 2015 weniger als die Hälfte (294.000). Bei HiB-Infektionen sank die Zahl der jungen Todesopfer von 299.000 um 90 Prozent auf 29.500. Auch bei HIV-positiven Kindern zeigte sich der Trend: Starben im Jahr 2000 noch 95.000 dieser Kinder an Lungen- oder Hirnhautentzündungen, waren es 2015 noch 24.000.

"Weitere Fortschritte gegen diese Erkrankungen werden nun von den Bemühungen weniger großer Länder abhängen", resümiert Studienautor Brian Wahl von der Johns Hopkins University in Baltimore. Vor allem in Indien, Nigeria, der Demokratischen Republik Kongo und Pakistan seien die Zahlen noch hoch - diese Länder, in denen Impfprogramme noch nicht greifen, haben die Hälfte aller jungen Pneumokokken-Toten zu beklagen.

Für den generellen Rückgang seien auch eine bessere Hygiene und Gesundheitsversorgung mitverantwortlich, ergänzen die Forscher. Sie konnten aber den hohen Anteil der Impfungen an dem Trend berechnen: So schrumpften die Pneumokokken-Infektionen zunächst nur um drei Prozent pro Jahr, mit der Ausbreitung der Impfungen ab 2010 aber um acht Prozent.

Für ihre Arbeit sichteten die Forscher die jährlichen Erkrankungs- und Todeszahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf Länderebene. Die setzten sie in Bezug zur vom Kinderhilfswerk Unicef geschätzten Impf-Abdeckung des jeweiligen Landes.

"Die gute Nachricht ist, dass die Zahlen sich in die richtige Richtung bewegen", schreibt Cynthia Whitney von den US Centers for Disease Control and Prevention. Allerdings seien Todesfälle durch HiB oder Pneumokokken in armen Ländern schwer nachzuweisen, da es dort kaum Autopsien gebe. Sie schätzt, dass die Zahl der Opfer in Wirklichkeit höher liegt. Die "Global Burden of Disease"-Studie nannte für 2015 rund 393.000 Todesopfer unter sechs Jahren durch Pneumokokken und 59.000 nach HiB-Infektionen. Während HiB-Impfungen in allen Ländern mit Impfprogrammen seit Langem zum Standard gehören, ist dies bei Pneumokokken-Impfstoffen nicht überall der Fall. In Deutschland werden beide Impfungen von der Ständigen Impfkommission (Stiko) für Säuglinge und Kleinkinder empfohlen. Der Schutz vor HiB steht seit 1990 im Impfkalender und wird heute als Teil eines Sechsfach-Impfstoffes verabreicht. Eine Impfung, die vor mehreren Pneumokokken-Subtypen schützt, empfiehlt die Stiko seit 2006.

(dpa)