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| 10:15 Uhr

Spiritueller Techno von Jon Hopkins

Electronic Manchmal erscheinen diese Platten, denen man anhört, dass sie auf der ganzen Welt verstanden werden. So ein Album ist "Singularity" von Jon Hopkins, und es ist nicht gewagt zu behaupten, dass man ihm in den nächsten Monaten bei vielen Gelegenheiten begegnen wird: als Untermalung von TV-Beiträgen, in Serien, Geschäften und im Club. Hopkins macht Techno, der auch diejenigen, die dieser Musik nichts abgewinnen können, nicht verschreckt.

Das ist Techno mit doppeltem Boden: Hopkins zieht seiner Musik eine zweite Ebene ein, eine Erzählung, die etwas Spirituelles vermittelt. Autoren-Techno mit erhebender Wirkung. Viele dürften diesem faszinierenden Musiker vor fast zehn Jahren das erste Mal begegnet sein, ohne es jedoch gemerkt zu haben. Hopkins arbeitete damals an der Produktion des Coldplay-Albums "Viva La Vida" mit. Die Platte begann für Coldplay ungewöhnlich mit einer elektronischen Soundlandschaft, sie erwuchs sozusagen daraus, und obwohl viele dachten, dass diese Eröffnung bestimmt Brian Eno zu verdanken sei, der ja das Album produzierte, gebührt der Ruhm Jon Hopkins.

Coldplay gefiel eines seiner unveröffentlichten Stücke so gut, dass sie einen Auszug daraus ihrem Millionen-Seller voranstellten. Zum Dank durfte Hopkins auf der zugehörigen Tour im Vorprogramm spielen und seinen Sound einem Arena-Publikum vorstellen. Auf seiner Solo-Platte "Insides" stieß man erneut auf das Coldplay-Intro, Hopkins hatte es zu einem Neun-Minuten-Stück ausgearbeitet. Im Abstand von vier, fünf Jahren veröffentlichte er fortan seine Alben, und nun ist da "Singularity": eine Ode an die Transzendenz.

Hopkins lebt inzwischen in L.A., und seine Musik klingt, als komponiere er sie unter freiem Himmel in der Wüste Kaliforniens: Vögel zwitschern ("Feel First Life") und ein Herz schlägt ("Everything Connected"). Man hört Piano, Streicher und Gitarre, und manchmal zieht Hopkins das Tempo an und befreit den Bass. Ob er sphärischen Ambient macht oder brettharten Techno, immer flicht er eine Melodie ein, was die Platte menschenfreundlich wirken lässt.

"Singularity" will man immer wieder hören. Philipp Holstein

(RP)