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| 10:06 Uhr

Mit Cello und Klavier von Paris nach Moskau

Klassik Weit vor Erfindung der Gasleitungen und Handelsabkommen gab es eine feste Achse Russland- Europa. Sie legte auch Wert auf Genüsse. 1896 brachte ein gewisser Émile Cornillot eine Süßspeisen-Marke namens "Franco-russe" heraus. Die "Französisch-Russische Allianz" war aber auch das Resultat eines zunächst geheimen Defensivvertrags zwischen Russland und Frankreich, der zwei Jahre früher, am 4. Januar 1894, in Kraft getreten war.

Klassik Weit vor Erfindung der Gasleitungen und Handelsabkommen gab es eine feste Achse Russland- Europa. Sie legte auch Wert auf Genüsse. 1896 brachte ein gewisser Émile Cornillot eine Süßspeisen-Marke namens "Franco-russe" heraus. Die "Französisch-Russische Allianz" war aber auch das Resultat eines zunächst geheimen Defensivvertrags zwischen Russland und Frankreich, der zwei Jahre früher, am 4. Januar 1894, in Kraft getreten war.

Die Bande zwischen Frankreich und Russland waren allerdings weitaus älter. Mitte des 19. Jahrhunderts waren viele Franzosen nach Russland gegangen, um dort Arbeit zu finden; umgekehrt trafen in Paris viele russische Industrielle und vor allem Künstler ein. Die Weltausstellungen in den Jahren 1878 und 1889 hatten die Verbindung der beiden Staaten zueinander vertieft und intensiviert. Auch und gerade in der Musik gab es regen Austausch.

Tschaikowski beispielsweise hatte seine 4. Symphonie 1880 in Paris zur Aufführung bringen lassen. Eine schöne neue CD bei Sony heißt nun ganz lakonisch "Paris -Moscou" und beschäftigt sich auf geradezu erlauchte Weise mit den Strömungen der Spätromantik und frühen Moderne, die beide Länder erfasste und die aktuellen Hervorbringungen jeweils auch zeitnah zu den Freunden im Geiste brachte. Der Cellist Christian-Pierre La Marca und die Cellistin Lise de la Salle stellen uns Musik vor, die einen gleichsam internationalen Geist atmet, etwa Preziosen aus dem Werkstätten von Gabriel Fauré, Camille Saint-Saëns und Jules Massenet.

Auf der russischen Seite imponiert die Platte mit Kompositionen russischer Meister, die sich früh Paris zugewandt hatten, auch physisch: Igor Strawinsky und Sergej Prokofieff. Im Zentrum steht Sergej Rachmaninows großartige, blumige, rassige, ausdruckswilde Cello-Sonate. La Marca und de la Salle lassen sich als Interpreten nicht lumpen, sie pflegen keine anämische Dezenz, sondern greifen mit beherztem Bogenstrich und virtuoser Attacke in die Vollen.

Man spürt die Lust der Musiker auf saftige Melodien, auf Eleganz und Esprit. Bei den Russen darf es aber auch schon mal knarren. Wolfram Goertz

(RP)