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| 07:53 Uhr

Umfrage:
Mehrheit für Widerspruchslösung bei Organspende

Mit einem solchen Organspendeausweis kann jeder Mensch verfügen, dass ihm nach dem Tod Spender-Organe entnommen werden dürfen.
Mit einem solchen Organspendeausweis kann jeder Mensch verfügen, dass ihm nach dem Tod Spender-Organe entnommen werden dürfen. FOTO: dpa / Caroline Seidel
Düsseldorf. 58 Prozent der Deutschen haben sich dafür ausgesprochen, dass grundsätzlich jeder im Todesfall automatisch Organspender sein soll – es sei denn, er hat dem zu Lebzeiten widersprochen. Dies hat eine repräsentative Umfrage der Krankenkasse Barmer unter 1000 Versicherten ergeben, die der „Rheinischen Post" heute vorliegt.

Die aktuell geltende Rechtslage sieht vor, dass Organe im Todesfall nur dann entnommen werden dürfen, wenn der Betroffene dem zu Lebzeiten ausdrücklich zugestimmt hat oder die Angehörigen dies nachträglich als Willen des Verstorbenen angeben.

Die Zahl der Versicherten, die einen Spender-Ausweis besitzen, nahm demnach um sechs Punkte auf 36 Prozent zu. Bei Frauen ist die Bereitschaft zur Organspende mit 39 Prozent höher als bei Männern (29 Prozent). Jüngere besitzen häufiger einen Organspendeausweis als Ältere. So gaben 46 Prozent der 18- bis 25-Jährigen an, über ein solches Dokument zu verfügen. Bei den 51- bis 64-Jährigen sind es 34 Prozent.

Barmer-Chef Christoph Straub sagte, mit Kampagnen allein werde man dem Thema Organspende nicht gerecht. "Wir brauchen strengere Qualitätsvorgaben für Transplantationszentren, etwa durch gesetzlich fixierte Mindestmengen für Transplantationen."

Zum bundesweiten Tag der Organspende am Samstag werben auch Politiker für eine Auseinandersetzung mit dem Thema. Diskutiert wird zudem über einen grundlegenden Systemwechsel in der Transplantationsmedizin. Laut Angaben von Krankenkassen gilt in 17 europäischen Staaten die Widerspruchslösung. Für die katholische Kirche in Deutschland ist sie bislang nicht akzeptabel: Nach ihrer Ansicht muss die Organspende eine bewusste und freiwillige Entscheidung bleiben - sonst könne man nicht mehr von einer Spende sprechen.

Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) warten bundesweit rund 10 000 schwer kranke Patienten auf ein Spenderorgan. Deutschland befindet sich aktuell im europäischen Vergleich bei der Zahl der Organspender auf einem der letzten Plätze. 2017 wurden lediglich 2.594 Organe gespendet; die Zahl der Spender sank auf 797 – der niedrigste Stand seit 20 Jahren. kna/fh

(kna)