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| 07:27 Uhr

Kamaal Williams macht Jazz für den Strand

Fusion Das ist die Platte für den Sommer: "The Return" von Kamaal Williams vereint Jazz, Funk, Boogie, Afrobeat und ein bisschen HipHop, und zwischen den Noten scheint immer die Sonne.

Der Keyboarder Williams ist eine wichtige Figur in der jungen Londoner Jazz-Szene, und erstmals für Aufsehen sorgte er vor zwei Jahren, als er mit dem Schlagzeuger Yussef Dayes die großartige Platte "Black Focus" veröffentlichte.

Das war coole, elegante Musik, die vom Bass angetrieben wurde und stets auf der Suche nach dem Groove war. Das Duo nannte sich Yussef Kamaal, und die beiden Musiker verneigten sich auf dem Album ganz offensichtlich und ausdrücklich vor ihren Helden Herbie Hancock, Lonnie Liston Smith und Roy Ayers. Kurz nach der Veröffentlichung gingen Dayes und Wiliams indes getrennte Wege, hier und da las man von einem heftigen Streit.

Sie erfüllten nicht mal mehr die vielen Wünsche nach Liveauftritten und Konzerten. Umso schöner, dass "The Return", das Soloalbum von Kamaal Williams, nun tatsächlich wie eine Fortsetzung von "Black Focus" klingt; sogar das Cover mutet wie ein Negativ der Hülle des Vorgängers an. Williams produziert unter dem Künstlernamen Henry Wu ja auch House-Music, und man merkt seinem Jazz diese Informiertheit an. Das ist ja überhaupt das Markenzeichen dieser Generation von Jazzmusikern, dass ihre Produktionen über die Grenzen der Genres hinweg verstanden werden.

"Black Focus" wurde 2016 auch von HipHop-Fans gefeiert, und im Grunde kann man diese Kompositionen abspielen und einfach dazu rappen - das Ergebnis würde jeder als Hommage an A Tribe Called Quest verstehen. Wem dieser Sound gefällt, der sollte sich unbedingt auch Zara McFarlane anhören, das Ezra Collective und Shabaka Hutchings. Sie kommen alle aus England, und ihre Musik lässt die späten 1980er und frühen 90er Jahre wiederaufleben, als Jazz sich mit Funk, Elektronik und HipHop verband und auf die Tanzfläche schielte.

"Acid Jazz" nannte der DJ Gilles Peterson damals das neue Phänomen, und Peterson gilt ja noch immer als Impressario der Szene. Philipp Holstein

(RP)