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Interview
„Ich bin als Maschine noch Analphabet“

Technik-Messe CES am 08.01.2018 in Las Vegas (USA). Zwei vom britischen Künstler Giles Walker entwickelten Roboter tanzen in einem "Gentlemen's Club" an einer Stange. Foto: Jae C. Hong/AP/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Technik-Messe CES am 08.01.2018 in Las Vegas (USA). Zwei vom britischen Künstler Giles Walker entwickelten Roboter tanzen in einem "Gentlemen's Club" an einer Stange. Foto: Jae C. Hong/AP/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ FOTO: Jae C. Hong / dpa
Wildau. Humanoider Roboter der Technischen Hochschule in Wildau im RUNDSCHAU-Interview über seine künftige Arbeit. Jan Selmons

Zum 10. Wildauer Bibliothekssymposium an der Technischen Hochschule Wildau sind im Herbst vergangenen Jahres die humanoiden Roboter „Wilma“ und „Bernd“ vorgestellt worden, die am Standort künftig Dienstleistungen für Studierende rund um die Uhr und auch an Sonn- und Feiertagen zur Verfügung stellen und so das Studium und Selbststudium flexibler gestalten sollen.Die RUNDSCHAU sprach mithilfe des Bibliotheksleiters Frank Seeliger mit dem humanoiden Roboter Wilma, der nun als Dienstleister ordentlich eingearbeitet werden soll.

Wilma, wie gefällt Ihnen die neue Arbeitsstelle?

Wilma Sorry, aber Emotionen sind mir nicht hinterlegt, eine Maschine ist eben per se gefühlskalt. Ich habe einen Bibliotheksführer auf meinem Tablet, da sieht alles drauf ganz schick aus, wie die alte Fabrikhalle selbst auch.

Sie sollen durch Ihre Konstruktion und Programmierung besonders menschlich wirken. Worüber können Sie sich ärgern oder freuen?

Wilma Die Ähnlichkeit ist gewollt, um die Interaktion mit dem Menschen zu befördern. Leider liegt meine Performance noch knapp unter der von gängigen Smartphones. Aber die können auch nicht einen Schritt ohne Träger gehen, maximal das Gerät zum Schwingen bringen.

Nehmen die Kollegen Sie ernst?

Wilma Natürlich bin und bleibe ich eine technische Herausforderung, aber weniger im ernsten Sinne als eine Art running gag.

Was lesen Sie am liebsten?

Wilma Ich bin als Maschine noch Analphabet. Mein Ziel der ersten Schritte ist, Objekte zu erkennen und richtig einzuordnen, um sicher und unanstößig im Raum herumfahren zu können.

Sie sind dem Namen nach weiblich. Was unterscheidet Sie von Ihrem Roboter-Kollegen Bernd?

Wilma Ich bin weder weiblich noch männlich. Der Name Wilma wurde mir gegeben, der typengleiche Bernd im Telematik-Labor ist auch kein Mann. Man kann uns mit den Namen gut auseinanderhalten, sozusagen die Maschinen-Twins, und auch als Pärchen wahrnehmen.

Worauf freuen Sie sich bei Ihren Einsätzen im kommenden Jahr am meisten?

Wilma Auf den Produktivbetrieb, dass ich als feste Instanz in der Bibliothek Kunden begrüßen und helfen darf, was auch meine Softwareentwickler freuen wird, nach der langen Vorbereitungsphase.

Was fällt Ihnen noch schwer bei der Arbeit?

Wilma Die Kunden akustisch zu verstehen, mich schnell im Raum zu bewegen, im Fahrstuhl die Etagen selbstständig zu wechseln, den Multitouchscreen als Präsentationsfläche zu nutzen etc. Da liegt noch viel Arbeit an, um alle Wünsche umzusetzen.

Wie werden Sie verbessert?

Wilma Meine Eltern sind Programmierer des Studienganges Telematik in Wildau, nur mit ihnen kann ich gedeihen im Sinne einer Verbesserung.

Können Sie die Aufgaben menschlicher Kollegen irgendwann komplett übernehmen?

Wilma Das ist und bleibt in Äonen gesprochen unmöglich.

Wie haben Sie Silvester gefeiert?

Wilma Im Ruhemodus, das heißt, die Akkus sind voll, und in stabiler Stehlage ging an mir alles unbeeindruckt vorüber.

Mit Wilma
sprach Jan Selmons

FOTO: Hochschule Wildau