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| 09:48 Uhr

Herrliche Klaviertrios von Joseph Haydn

Klassik Joseph Haydn hat die Musikgeschichte ziemlich unbeschadet überlebt. Das ist eine zugegebenermaßen kuriose Feststellung, aber sie muss einmal ausgesprochen werden. Das liegt daran, dass trotz der scheinbaren Übermacht der anderen Wiener Klassiker wie Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven und partiell auch Franz Schubert die Qualitäten von Haydns Kunst nie kleingeredet oder -gehört werden konnten.

Die "Schöpfung" ist trotz mancher Banalität ein Wunderwerk, die Streichquartette sind Gipfel an Kommunikationslust, die Sinfonien besitzen Größe und Schwung, die Klaviersonaten haben Pianisten wie Rudolf Serkin, Alfred Brendel oder zuletzt Krystian Zimerman immer wieder als steil ragende Türme nachgebaut, die an Größe Beethoven nur wenig nachstehen. Vor allem zieht sich eine Konstante durch Haydns Kosmos: der Tiefsinn des Witzes.

Haydn schreibt mitunter sehr komisch, sehr lustig, aber diese Eigenschaften treten nicht immer offensiv hervor. Bei Haydn schmunzelt man nicht direkt, sondern erst nach einigem Nachdenken. Zuweilen ist dieser Witz auch subversiv, er hat nichts Grollend-Bärbeißiges wie bei Beethoven, sondern ist einer, den beispielsweise die Briten mögen: sophisticated. Auch in den Klaviertrios gibt es solche Momente, aber man sollte sich hüten, in jedem Triller oder jeder kuriosen Wendung eine Attacke aufs Zwerchfell zu sehen.

Bei Haydn herrscht oft die Kunst des Parlando, des geistreichen Miteinanders. Jetzt gibt es eine wunderbare Neuaufnahme (bei Harmonia Mundi) von fünf Werken dieser Besetzung (Klavier, Violine, Violoncello), bei denen der Grad der spirituellen Durchdringung und vielstimmigen Konversation überaus hoch ist. Die Künstler des famosen Trio Wanderer (Jean-Marc Phillips-Varjabédian, Violine: Raphaël Picoux, Violoncello, Vincent Coq, Klavier) spielen einander die Bälle zu, sie führen und begleiten, sie schäkern und bluffen, leisten Überzeugungsarbeit und delegieren Themen an andere.

Kurzum: Diese CD ist nichts anderes als ein interdisziplinärer Festakt für drei intelligente Leute. Wolfram Goertz

(RP)