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| 17:26 Uhr

Interview mit Gerd Thiele, Leiter des Cottbuser Planetariums
Gärtnern nach dem Mond ist nicht wissenschaftlich

 Gerd Thiele, Leiter des Cottbuser Planetariums
Gerd Thiele, Leiter des Cottbuser Planetariums FOTO: Peggy Kompalla
Der Mond ist ein sehr interessanter Himmelskörper, der eine große Bedeutung für alles Leben auf der Erde hat. Ob die Stellung des Mondes auf das Wachstum von Pflanzen entscheidend Einfluss hat, ist wissenschaftlich nicht zu begründen. Das sagt Gerd Thiele, der Leiter des Cottbuser Planetariums.

Meinen Radieschen ist es egal, ob der Mond von rechts oder links auf sie scheint. Das sagt Gerd Thiele, der Leiter des Cottbuser Planetariums.

Herr Thiele, Sie im Planetarium beobachten den Sternenhimmel und dessen Veränderung. Manche Menschen beobachten den Mond, seine Stellung zum Horizont und gärtnern danach. Lässt sich das vergleichen?

Thiele Das lässt sich schon deshalb nicht vergleichen, weil wir im Planetarium nicht in erster Linie den Sternhimmel beobachten, sondern versuchen, Vorgänge im Weltall anschaulich mit technischen Möglichkeiten darzustellen. Wir betreiben sozusagen Wissenschaftstransfer. Beobachtet wird in Sternwarten. Vergleichbar ist aber auch das nicht.

Warum nicht?

Thiele In der modernen Astronomie forscht man mit wissenschaftlichen Methoden. Jeder, der Landwirtschaft oder Gartenbau mit wissenschaftlichen Methoden betreibt, wird wissen, dass der Erfolg von vielen Faktoren abhängt. Bodenbeschaffenheit, Feuchtigkeit, Temperatur, Sonneneinstrahlung müssen beachtet werden. Vielleicht gibt es Gewächse, die tatsächlich darauf reagieren, ob eine Nacht heller oder dunkler ist. Ich bin aber überzeugt, dass es meinen Radieschen egal ist, ob gerade die rechte oder die linke Seite des Mondes von der Sonne bestrahlt wird. Die Gravitationswirkung des Mondes ist dieselbe.

Der Mond-Kaktus, er blüht einmal im Jahr nachts, nämlich dann, wenn er nachmittags die Blütenknospe waagerecht stellt. Könnte das mit der Mond-Stellung und Anziehungskräften zu tun haben?

Thiele Das weiß ich nicht, kann es mir aber nicht vorstellen. Die Gravitation zwischen zwei Körpern nimmt bekanntlich mit dem Quadrat der Entfernung ab und hängt von den Massen beider Körper ab. So lässt sich leicht ausrechnen, dass die Gravitationskraft, die sie auf die Kaktusblüte ausüben, wenn Sie in einem hal­ben Meter Entfernung stehen, größer ist als die des Mondes in 380 000 Kilometer Entfernung.

Ist Gärtnern nach dem Mond nun wissenschaftlich begründbar, Wissen aus Erfahrung oder Humbug?

Thiele Es ist sicher nicht falsch, sich mit der Natur zu beschäftigen, sie zu beobachten und Erfahrungen zu sammeln. Und an etwas zu glauben, kann man ja nicht verbieten. Aber Gärtnern nach dem Mond ist nicht wissenschaftlich zu begründen. Wie ich schon sagte, entscheiden viele Umweltfaktoren über den gärtnerischen Erfolg. Selbst wenn man an einem Ort unter Berücksichtigung des Mondes bei Anbau und Ernte bestimmte Erfahrungen gemacht hat, lassen sich diese nicht auf einen anderen Ort und andere Umstände übertragen. Entscheidend ist für mich, dass nicht nur die Mondphase, sondern auch die Stellung des Mondes zu den Tierkreiszeichen eine Rolle spielen soll. Ich sage bewusst Sternzeichen und nicht Sternbild, denn beides ist etwas völlig anderes, auch wenn beide Begriffe ursprünglich eine ähnliche Herkunft haben. Die Interpretation des behaupteten Einflusses der Tierkreiszeichen ist willkürlich und wissenschaftlich nicht nachweisbar.

 Planetariums-Leiter Gerd Thiele
Planetariums-Leiter Gerd Thiele FOTO: Peggy Kompalla