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| 07:12 Uhr

Franz Schuberts hinreißendes Oktett

Klassik Immer wieder ist man erstaunt, dass gerade Komponisten mit besonders kurzer Lebensdauer besonders viele Werke geschrieben haben. Das Paradebeispiel ist seit je Franz Schubert, der nur 31 Jahre alt wurde, aber in dieser Zeit ein gewaltiges Schaffen angehäuft hat; das gilt sowohl quantitativ als auch qualitativ, nehmen wir nur die zahllosen Lieder, die Klaviersonaten, die Sinfonien. Zugleich befand sich Schubert in einer fortwährenden Identitätskrise.

Er wähnte sich im Schlagschatten Beethovens, aus dem er nach eigener Anschauung kaum herausfand. Beethovens Vorbild war ihm Orientierung, Fessel, Korsett, Zwangsjacke. Dadurch kam es immer wieder zu Unterbrechungen im Schaffensrausch. Heute weiß man, dass er im Jahr 1824 aus dieser Schreibhemmung herausgefunden hatte; es entstanden mehrere Kammermusikwerke. von schönster und höchster Kunst. Das Oktett, gewiss eines seiner Gipfelwerke, wurde von keinem Geringeren als Ferdinand Graf Troyer, dem Obersthofmeister des Erzherzogs Rudolf von Österreich-Toskana, in Auftrag gegeben, Troyer war selbst ein vorzüglicher Klarinettist.

Laut Schuberts eigenhändiger Notiz wurde das Werk am 1. März 1824 fertigkomponiert. Er selbst schrieb in einem Brief dazu: "Überhaupt will ich mir auf diese Art den Weg zur großen Symphonie bahnen." Die Frucht dieser Bahnung war die sogenannte "große" C-Dur-Sinfonie. Auch im Oktett gibt es bisweilen einen orchestral-sinfonischen Geist. Die Besetzung ist gemischt: Klarinette, Fagott, Horn und Streichquintett.Die Uraufführung fand - auch dies Zeichen von Schuberts Reserve - 1824 in einem Privatkonzert statt, die erste öffentliche Aufführung fand erst 1827 im Wiener Musikverein statt.

Die Kritiker monierten allerdings die Länge: das Oktett dauert 50 Minuten. Jetzt ist beim Label Harmonia mundi eine prachtvolle Neuaufnahme dieser bedeutenden Komposition erschienen, zu der sich namhafte Interpreten versammelt haben, allen vor die Geigerin Isabelle Faust. Das Musizieren atmet eine herrliche Frische und Beschwingtheit, gleichzeitig kommt es zu solistischen Delikatessen. Famos! Wolfram Goertz

(RP)