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| 09:09 Uhr

Moers Festival
Die Stadt als Bühne

Moers. Das Moers Festival erforscht zu Pfingsten die Klangwelten. Mehr als 25 Konzerte und Aktionen gibt es - nicht nur in der Festivalhalle. Anja Katzke

Das Moers Festival erforscht zu Pfingsten die Klangwelten. Mehr als 25 Konzerte und Aktionen gibt es - nicht nur in der Festivalhalle.

Tim Isfort kehrt an Pfingsten zu den Wurzeln des Moers Festivals zurück: Für einen Soloauftritt des Saxofonisten Peter Brötzmann öffnet der künstlerische Leiter exklusiv den historischen Schlosshof in Moers. Dort fand die Pfingstveranstaltung im Jahr 1972 zum ersten Mal statt. Es wird nicht der einzige historische Bezug bleiben, den Musikfreunde vom 18. bis 21. Mai in Moers erleben können. Auch im Freizeitpark, wo die Musiker über viele Jahre in einem riesigen Zirkuszelt auftraten, will Tim Isfort wie früher Sonnensegel aufstellen und Konzerte veranstalten lassen, unter anderem eine "milde" Techno-Party. Gleichzeitig öffnet er neue und ungewohnte Spielorte wie das Aktivbad Solimare, in dem Unterwasserkonzerte und Klang-Installationen zu erleben sein werden. Für den Festivalchef wird ganz Moers zum großen Labor, in dem er mit Künstlern und Besuchern die Musikwelten zwischen Belgien und Brasilien erforschen kann.

Das Programm in der Eventhalle Mehr als 25 Konzerte sind an den Pfingstfeiertagen in der Eventhalle am Solimare zu erleben. Das Festival, das im Volksmund noch heute das "Jazz" genannt wird, hat sich gewandelt. Längst wird nicht mehr nur Jazz in all seinen Spielarten zu Gehör gebracht. Festivalchef Tim Isfort bringt die unterschiedlichsten Musikrichtungen auf der Bühne zusammen. Musiker wie Richard Dawson stehen dafür stellvertretend. Er wird eine sehr freie Interpretation von Folk abliefern, mit mehrstimmigen Gesängen und tonartfremden Harmonien. Der Folk-Blues-Musiker Frank Fairfield wird zusammen mit der Singer-/Songwriterin Meredith Axelrod mit Ragtime und Murder Ballads an das Amerika Anfang des 20. Jahrhunderts erinnern, während sich die Musik der niederländischen Band Spinifex aus freier Improvisation, Punkrock und Anleihen aus alten Musikkulturen entwickelt. Experimentelles hat das Festival mit dem Projekt "Wendy Pferd Tod Mexiko" zu bieten. Es handelt sich um eine Zusammenarbeit der Theatermacherin und Dramatikerin Natascha Gangl mit dem Duo Maja Osojnik und Matija Schellander. "Wendy fährt nach Mexiko" ist Gangls Buchdebüt. Das Elektroakustik-Duo Redeca Raketa (Maja Osojnik und Matija Schellander) komponiert aus diesem Textmaterial, akustischen und elektronischen Instrumenten ein Klanggemälde. Die WDR-Bigband unter Leitung von Vince Mendoza präsentiert eine Werkschau des Drummers Peter Erskine. Frank Stanzl stellt komponierte und improvisierte Stücke für Orgel und Computer vor. Stadtmusikerin Josephine Bode (Flöte) trifft in ihrem Projekt auf den amerikanischen Pianisten Ethan Iverson, der 2017 mit seinem Trio The Bad Plus auf dem Moers Festival spielte.

Musiker-Begegnungen Auch dieses Jahr setzt Festivalchef Tim Isfort auf Musikerkonstellationen, die speziell für das Festival zusammenfinden. Bei der "Marimba-Madimba Conférence" treffen Marimba-Spieler aus verschiedenen Kontinenten aufeinander. Die drei westlichen Schlagwerker Bernd Oezsevim, Maria Schneider und Daniel Eichholz begegnen drei zentralafrikanischen Madimba-Spielern. Eine weitere Konstellation ist "Siddi Traces": In Moers treffen Siddi-Musiker auf die drei indischen Musiker Sourendro Mullick (Piano), Soumyojit Das (Gesang) und Biswajit Roy (Tabla). Beteiligt ist auch der Klangkünstler Achim Zepezauer. Die Gruppe der Siddi lebt im Grenzgebiet von Pakistan und Indien.

Musik in der ganzen Stadt Mit dem Umzug in die Eventhalle am Solimare verabschiedete sich das Moers Festival 2014 aus der Innenstadt. Festivalchef Tim Isfort will die Lücke mit Musik an den unterschiedlichsten Spielorten in der City schließen. Musik erlebt man Pfingsten in der Einkaufsstraße, in den Kirchen, in der Galerie Peschkenhaus und im Schlosspark. Dort findet ein "Liedermacher-Massaker" statt. Konzerte finden auch vor der Eventhalle statt - umsonst und draußen. Dort entsteht ein "Dorfplatz" mit Foodtrucks und einem bunten Händlermarkt, der dieses Jahr größer werden soll.

Campen auf dem Festival-Gelände Direkt neben der Eventhalle steht Campern ein bewachtes Areal zur Verfügung. Ab Freitag, 18. Mai, kann die eingezäunte Liegewiese des Freibads Solimare genutzt werden. Fußläufig zur Eventhalle gibt es Wasch- und Duschmöglichkeiten. Das Campen ist für Festivalticket-Inhaber kostenlos. Für Wohnmobilisten mit einer gültigen Festivalkarte gibt es elf kostenpflichtige Parkplätze am Solimare.

Zukunft des Festivals Das Moers Festival, das 2016/2017 in finanzielle Schieflage geraten war und kurz vor dem Aus stand, lebt weiter von der Hand im Mund. Mit Hilfe von Bund, Land und einer Garantieerklärung der Stadt Moers konnte es gesichert werden - aber nicht dauerhaft. 2019 laufen die Zuschüsse des Bundes aus. Die Folge: 150.000 Euro weniger im Etat. Isforts Team ist dabei, Sponsoren für die Zukunft zu finden.