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| 09:14 Uhr

München
Bischöfe kritisieren Söders Kreuzzug

München. Die Kritik an der vom bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) initierten Kreuz-Pflicht in den Behörende des Freistaates hält an. Er missbrauche das christliche Symbol durch "plumpes Wahlkampfgetöse".

Die Kritik an der vom bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) initierten Kreuz-Pflicht in den Behörden des Freistaates hält an. Er missbrauche das christliche Symbol als "plumpes Wahlkampfgetöse".

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat mit Unverständnis auf die Kritik der Kirchen an seinen Plänen reagiert, Kreuze in den bayerischen Behörden aufzuhängen. "Ich finde es sehr, sehr schade, wenn wir darüber jetzt einen Streit führen", sagte er. "Und manchmal wundere ich mich sogar, dass dies aus kirchlichen Kreisen kommt. Denn da wär mir ehrlich lieber, man würde sich zum eigenen Kreuz bekennen, man würde sich zum Symbol der eigenen Religion dazu stellen, anstatt es kritisch zu hinterfragen." Auf Initiative Söders hatte das bayerische Kabinett beschlossen, dass in allen Behördengebäuden unter der Verwaltung des Freistaats im Eingangsbereich ein Kreuz angebracht werden soll.

Einige Beiträge zu dieser Debatte:

Kardinal Reinhard Marx Er wirft dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) vor, mit seinem Kreuzerlass "Spaltung, Unruhe, Gegeneinander" ausgelöst zu haben. "Wenn das Kreuz nur als kulturelles Symbol gesehen wird, hat man es nicht verstanden", sagte Marx der "Süddeutschen Zeitung". "Dann würde das Kreuz im Namen des Staats enteignet." Es stehe dem Staat aber nicht zu, zu erklären, was das Kreuz bedeute. Das Kreuz sei nicht zu haben ohne den Mann, der daran gehangen hat, ergänzte der Erzbischof von München und Freising. "Es ist ein Zeichen des Widerspruchs gegen Gewalt, Ungerechtigkeit, Sünde und Tod, aber kein Zeichen gegen andere Menschen." Ein Kreuz aufhängen heiße: "Ich möchte mich an den Worten dessen orientieren, der am Kreuz für die ganze Welt gestorben ist." Das sei eine Provokation, für jeden Christen, für die Kirche, aber auch für den Staat, der sich auf dieses Zeichen beziehen wolle.

Margot Käßmann Die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland sagte, "Irrsinn mag dieses Kreuz den Menschen sein, aber es ist eben gerade kein Zeichen von Macht, Herrschaft und Durchsetzungsvermögen". In Luthers Kreuzestheologie "theologia crucis" sei es nicht darum gegangen, "ob in bayrischen Amtsstuben Kreuze hängen sollen, sondern um das Gottesverständnis." Das Kreuz sei ein Zeichen von "Ohnmacht, Leid und dem Schrei nach Barmherzigkeit", so Käßmann, "das müsste auch der evangelische Christ Markus Söder wissen".

Prof. Hans-Joachim Sander Der katholische Theologe wirft Söder vor, das Kreuz als zentrales christliches Symbol für eine persönliche Machtdemonstration missbraucht zu haben. "Mit dem Kreuz-Symbol als Ausdruck einer angeblich christlichen Macht drängt er andere Religionsgemeinschaften und deren Gläubige, aber auch Nicht-Gläubige an den Rand", sagte der Salzburger Dogmatikprofessor dem "Kölner Stadt-Anzeiger" . Söder habe das Kreuz als Symbol menschlicher Ohnmacht sogar als persönlichen Macht-Gestus benutzt, indem er sich vor die Kameras gestellt, das Kreuz aufgehängt und der Öffentlichkeit erklärt habe, wie es zu verstehen sei, so Sander weiter. Die bayerische Staatsregierung hatte beschlossen, ab dem 1. Juni in allen Landesbehörden Kreuze aufzuhängen. Der Theologe betonte, er rechne damit, dass Söder für seine "präpotente Kreuzdemonstration" einen politischen Preis zahlen werde. Es sei gerade Ausdruck der christlichen Identifikation mit dem Kreuz, sich "gegen Söders Polit-Performance zu verwahren". Das Kreuz werde sich "dagegen wehren, indem überzeugte Christen mit sich und ihrem Glauben so nicht umspringen" ließen.

Katrin Göring-Eckardt Die Grünen-Fraktionschefin erklärte gegenüber der "Welt", sie fühle sich als Christin "beleidigt". Aus ihrer Sicht sei das der "Missbrauch eines religiösen Symbols".

Bischof Franz Jung Der künftige Würzburger Bischof kritisiert die Position Söders und der CSU, das Kreuz vor allem als kulturelles Symbol zu sehen. "Ich halte diese Grundaussage für falsch", sagte Jung auf Anfrage: "Das Kreuz ist ein genuin religiöses Zeichen und darf nicht auf bayerische Folklore und heimatliches Brauchtum reduziert werden." Wer das Kreuz als christliches Symbol aufhänge, müsse sich in seinem Handeln am Kreuz und seiner Botschaft messen lassen, so der bisherige Generalvikar des Bistums Speyer.

Deutsche Evangelische Allianz Sie hat die künftige Kreuz-Pflicht in bayerischen Behörden positiv gewürdigt. Sie begrüße, dass sich Ministerpräsident Markus Söder (CSU) "den christlich-jüdischen Wurzeln unserer Gesellschaft verpflichtet weiß", sagte Hartmut Steeb, Generalsekretär der theologisch konservativen Allianz, in Bad Blankenburg dem Evangelischen Pressedienst. "Eine Instrumentalisierung des Kreuzes für politische und wahltaktische Ziele lehnen wir grundsätzlich ab, können diese in der Initiative von Markus Söder allerdings auch nicht erkennen", erklärte Steeb. Vielmehr freue man sich, "dass Markus Söder aus seinem christlichen Glauben, den er aus persönlicher Überzeugung lebt, kein Hehl macht".

Christian Stückl Der Spielleiter der Passion in Oberammergau kritisiert den Kreuzerlass der bayerischen Staatsregierung. Hier werde ein Zeichen missbraucht, "dass mir wichtig ist", um andere auszugrenzen, sagte Stückl im Bayerischen Fernsehen. Das Kreuz stehe für eine Idee, die besage, "Liebe Deinen Nächsten, liebe Deine Feinde und versuche zusammenzukommen". Wenn aber von den gleichen Leuten, die jetzt anordneten, ein Kreuz in den staatlichen Behörden aufzuhängen, gesagt werde, der Islam passe nicht zu Deutschland mit seiner christlich-jüdisch geprägten Gesellschaft, dann sei dies Ausgrenzung.

Christian Lindner Der FDP-Chef sagte der "Passauer Neuen Presse", Feinde der Religion seien nicht die Kritiker von Söder, Feind der Religion sei Söder selbst. Denn er habe das Kreuz zu einem Symbol der Kultur und der Staates hierzulande erklärt, habe es damit profanisiert und von seiner christlichen Bedeutung getrennt.

Horst Dreier Der Würzburger Staatsrechtler hält eine Verfassungsklage gegen den bayerischen Kabinettsbeschluss zu Kreuzen in Amtsstuben für wahrscheinlich. "Es würde mich wundern, wenn die Sache nicht vor Gericht landet", sagte Dreier im Interview der Würzburger "Main-Post". Er selbst halte den Beschluss "rechts- und integrationspolitisch für ein verheerendes Signal und verfassungsrechtlich für mindestens sehr heikel".

(dpa, kna, RP)