ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 09:14 Uhr

Klassik
Beseelte Clubmusik von Mr. Fingers

Klassik In nachbarschaftlicher Verbundenheit freuen wir uns mit den Musikfreunden der Stadt Köln, dass sie dort einen großartigen Generalmusikdirektor fürs Gürzenich-Orchester gefunden haben. Es handelt sich um François-Xavier Roth, der vom SWR-Sinfonieorchester Freiburg an den Rhein kam und hier imponierend anspruchsvolle Arbeit leistet und auch eine bessere tarifliche Situation für sein Orchester erreicht hat. Wolfram Goertz

In nachbarschaftlicher Verbundenheit freuen wir uns mit den Musikfreunden der Stadt Köln, dass sie dort einen großartigen Generalmusikdirektor fürs Gürzenich-Orchester gefunden haben. Es handelt sich um François-Xavier Roth, der vom SWR-Sinfonieorchester Freiburg an den Rhein kam und hier imponierend anspruchsvolle Arbeit leistet und auch eine bessere tarifliche Situation für sein Orchester erreicht hat.

Für die Musiker ist Roth "ein Geschenk des Himmels". Allerdings scheint der Musikus eine Primadonna mit überdimensionalem Selbstbewusstsein und robusten Umgangsformen zu sein. Wenn man auch nur ansatzweise der Kölner Lokalpresse glauben darf, so versucht Roth die derzeitige Opernintendantin Birgit Meyer mit allen Mitteln loswerden. Unschön! Bleiben wir lieber bei der Musik statt bei unappetitlichen Personalien. Die wichtigen CDs macht Roth allerdings vorerst auswärts.

So hat er soeben mit dem London Symphony Orchestra, das bei Dirigenten sehr wählerisch ist, die beiden Violinkonzerte von Béla Bartók aufgenommen, mit dem famosen Geiger Renaud Capuçon als Solisten. Bartóks typischen Ton, in dem sich kühle Diktion mit leidenschaftlicher Emphase verbindet, treffen die Musiker großartig, Capuçon kann sich schwärmerisch aus dem Fenster lehnen, aber auch ganz straff im rhythmischen Korsett bleiben.

Und Roth? Der begleitet überragend genau, anschmiegsam, hochsensibel. Das Orchester ist sowieso eine Wucht. Die beiden Werke wirken wie aus einem Guss musiziert (erschienen bei Erato/Warner). Roth hat ein Händchen für eine Spezialität des Musizierens bewahrt. Seit Jahren dirigiert er das Orchester Les Siècles, das Musik des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts auf Originalinstrumenten aufführt. Jetzt hat sich Roth einiger Orchesterwerke von Ravel angenommen: "Ma Mère l'Oye", "Le Tombeau de Couperin" und die Ouvertüre "Shéhérazade" (erschienen bei harmonia mundi).

Das ist ein verschwenderisch klangsinnliches Musizieren, das sich aber nicht in impressionistischem Gewölk verliert, sondern die oberste Tugend französischer Klangkultur befolgt: Klarheit.