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Wisent wird zum Politikum

Lebus/Potsdam. Der im Amt Lebus im Landkreis Märkisch-Oderland vor wenigen Tagen erschossene Wisent sorgt nun für ein politisches Nachspiel. Das Ende ist noch nicht absehbar. Frank Hilbert

Laut Medienberichten soll das tote Tier nicht nur Thema einer Sondersitzung der Stadtverordneten von Lebus werden, sondern auch auf Initiative der Grünen im Brandenburger Landtag zur Sprache kommen.

Die Entscheidung zum Abschuss des offenbar aus Polen stammenden Tieres durch den Lebuser Amtsdirektor Heiko Friedemann hat auch von polnischer Seite zu betroffenen Reaktionen in sozialen Netzwerken geführt. Der Leiter des polnischen Nationalparks Warthemündung habe sich per E-Mail an das Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft des Landes Brandenburg gewandt, bestätigte Ministeriumssprecher Jens-Uwe Schade auf Nachfrage, ohne jedoch auf den Inhalt eingehen zu wollen.

Laut Schade werde die Sache "ganz schnell eine politische Dimension" bekommen. Es habe da wohl "eine gewisse Ratlosigkeit bei einigen Leuten" gegeben. Schade spricht von einer "regionalen Überforderung, wenn man nicht in der Lage ist, jemanden mit einem Betäubungsgewehr zu finden". Das Ministerium habe von der zuständigen Kreisverwaltung als oberste Jagd- und Naturschutzbehörde einen Bericht zur Sache angefordert. Danach würde entschieden, ob noch eine Abwägung seitens des Innenministeriums erforderlich ist, ob von dem Tier tatsächlich wie vom Amtsdirektor betont, eine "akute Gefahr" ausgegangen sei.

Das interessiert auch Benjamin Raschke. Der umweltpolitische Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Grüne im Brandenburger Landtag erklärte gegenüber der RUNDSCHAU, dass der Wisent-Abschuss Thema des nächsten Umweltausschusses sein werde. Darüber hinaus werde es dazu eine mündliche Anfrage in der nächsten Landtagssitzung am Mittwoch geben. Er hoffe auf "entsprechende Schlussfolgerungen der Landesregierung, die zu Handlungsanweisungen" führen, damit so etwas nicht mehr vorkommt.

"Wenn wirklich eine Gefahr durch das Tier bestand, hätte man erst andere Maßnahmen in Erwägung ziehen können, bis hin zum Einsatz eines Betäubungsgewehrs", betont Raschke, der bislang "ein Wort der Entschuldigung an die polnische Seite" vermisst. Mit "Entsetzen" habe er die Aussage vom zuständigen Landrat Gernot Schmidt am Montag im rbb-Fernsehen zur Kenntnis genommen. Dieser hatte gesagt, dass dort Leute am Werk gewesen seien, "die schon mehrere solcher Situationen durchstehen mussten. Dass da mal eine Fehlentscheidung fällt, ist auch mal möglich."

Jens-Uwe Schade hatte im gleichen Beitrag erklärt, dass sich das Ministerium rechtliche Schritte gegen den Amtsdirektor vorbehalte.