Wischnath, der in den Verdacht geraten war, ein West-IM der DDR-Staatssicherheit gewesen zu sein, ging gestern vor die Presse und wies alle Vorwürfe zurück. Er drohte mit juristischen Schritten gegen Kirchenobere und Historiker.
Bischof Wolfgang Huber warf seinerseits Wischnath in einem offenen Brief an die Gemeinden vor, öffentlich Erklärungen abzugeben, „die mit der Wahrheit nicht vereinbar sind“ . Wischnath schüre den Eindruck vom Kampf eines Einzelnen gegen kirchliches Unrecht. Dieser Eindruck habe mit der Wirklichkeit nichts zu tun, so Huber. Wischnath schade mit seinen Vorwürfen der Kirche.
Der Generalsuperintendent beklagte gestern erneut öffentlich das Verhalten der Kirchenführung, die hinter seinem Rücken Nachforschungen über seine Vergangenheit angestellt habe. „Bei den Recherchen ist nie von der Unschuldsvermutung ausgegangen worden“ , sagte Wischnath. Dies treffe vor allem auf den Konsistorialpräsidenten Uwe Runge zu, der Erkundungen über ihn beim Verfassungsschutz eingeholt habe. „Wenn sich daraus ein Straftatbestand ergibt, werde ich auch Herrn Runge vor ein weltliches Gericht bemühen müssen“ , so Wischnath.
Er sagte außerdem, dass zahlreiche Amtsträger in der Kirche seit langem von den Vorwürfen gewusst, ihm aber nichts gesagt, sondern ihn „geschnitten hätten“ . Dadurch sei er isoliert worden. Das dementierte die Kirchenleitung sofort. Niemand habe bis Mitte vorigen Jahres von den Hinweisen auf eine vermutete Verbindung von Rolf Wischnath zur Staatssicherheit gewusst. Bis zum ersten Gespräch mit ihm am 13. September hätten nur drei Personen davon Kenntnis gehabt, heißt es in einer Pressemitteilung der Kirchenspitze. In diesem Gespräch, so wurde erneut bekräftigt, sei Wischnath der gesamte Vorgang bekannt gemacht worden.
Das wiederum bestritt der Cottbuser Kirchenmann gestern erneut. Er sei in diesem Gespräch nicht genau über das Ausmaß der kirchlichen Überprüfungen unterrichtet worden. Erst später sei ihm klar geworden, dass es sich dabei um eine Anhörung gehandelt habe. Daraufhin habe er bei Bischof Wolfgang Huber im Oktober „energisch protestiert“ .
Konsistorialpräsident Uwe Runge hatte am Montag öffentlich erklärt, dass der Verfassungsschutz ihm im August die Auskunft gegeben habe, dass Wischnath von der Stasi als „IM Theologe“ registriert worden sei. Auch der Historiker Hubertus Knabe hatte gesagt, er habe diese Übereinstimmung in den Akten „mit eigenen Augen“ gesehen. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es nicht, da die Datei mit den Klarnamen der Stasi-West-
agenten dem Geheimnisschutz unterliegt. Wischnath bestritt gestern erneut, als „IM Theologe“ tätig gewesen zu sein. Er drohte an: „Ich werde Herrn Knabe verklagen.“
Erstmals nahm Wischnath gestern Stellung zu den Dateien der Westspionage der Staatssicherheit. Darin wurden unter dem Namen „IM Theologe“ sechs Berichte gespeichert, die sich etwa mit der Arbeit der SPD in Nordrhein-Westfalen und mit Interna aus der Evangelischen Kirche beschäftigten. Auffällig an den Daten war, dass die Informationen vergleichsweise lang ausfielen. Einer der Berichte enthielt 17 Seiten, einem weiteren war ein 45-seitiges Dokument hinzugefügt.
Wischnath, der sich erneut damit verteidigte, von der Stasi unwissentlich abgeschöpft worden zu sein, dazu: „Bei dem Dokument handelt es sich um eine Broschüre der Friedrich-Ebert-Stiftung über einen Systemvergleich zwischen DDR und BRD.“ Die Broschüre habe er bei einem seiner zahlreichen Besuche in der DDR mitgehabt. Wischnath räumte ein, Kontakte zur Stasi gehabt zu haben: „Ja, ich war eine Person mit vielen Kontakten, sicher auch zum Ministerium für Staatssicherheit. Aber das heißt nicht, dass ich für die Stasi gearbeitet habe.“
Trotz der neuen Vorwürfe signalisierte Wischnath auch Gesprächsbereitschaft, um den Streit beizulegen. Er will am Freitag an einem klärenden Gespräch der Kirchenleitung teilnehmen. Bischof Wolfgang Huber hatte nach Angaben seines Sprechers Reinhard Lampe am Montag versucht, telefonisch Kontakt zu Rolf Wischnath zu bekommen. Der habe jedoch nicht zurückgerufen, so Lampe.