Der teure Aufbau Ost zahlt sich nach Einschätzung der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) aus. "Wir können heute über das zweite deutsche Wirtschaftswunder reden", sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner am Dienstag in Frankfurt bei der Vorlage der Studie "Deutschland 25 Jahre nach dem Mauerfall". Ostdeutschland gehöre, gemessen an der Wirtschaftsleistung, inzwischen zum Mittelfeld Europas - obwohl die Angleichung an West-Niveau noch nicht völlig erreicht sei.

Ze uner betonte: "Die regionalen Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland sind im internationalen Vergleich unerheblich." Daher spreche vieles dafür, "Regionalförderung künftig nicht mehr nach Himmelsrichtung vorzunehmen", sondern "gesamtdeutsch zu denken", sagte Zeuner .

Nach KfW-Berechnungen fiel das reale Wirtschaftswachstum pro Kopf in den fünf ostdeutschen Bundesländern im zurückliegenden Vierteljahrhundert praktisch genauso stark aus wie das in Westdeutschland zur Wirtschaftswunderzeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Das mache sich zunehmend auch im Portemonnaie der Menschen in Ostdeutschland bemerkbar: Im vergangenen Jahr betrug deren verfügbares Pro-Kopf-Einkommen 17 700 Euro. Das waren 84 Prozent des West-Niveaus. 1991 waren es 53 Prozent.

Entscheidende Voraussetzung für den erfolgreichen Umbau der bankrotten Planwirtschaft der DDR in eine wettbewerbsfähige soziale Marktwirtschaft seien hohe Investitionen gewesen: Seit 1991 investierten Unternehmen, Kommunen und private Bauherren der KfW zufolge insgesamt rund 1,6 Billionen Euro in Ostdeutschland.