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| 02:44 Uhr

Wirtschaftssanktionen gegen Russland würden auch Firmen in der Region treffen

Cottbus. Die EU-Länder haben in der Krim-Krise Einreiseverbote und Kontensperrungen verhängt. Ohne ein Einlenken Moskaus könnten bald auch Wirtschaftssanktionen folgen. Firmen in der Region beobachten die Entwicklung kritisch. Simone Wendler

Für die vor zehn Jahren gegründete Lion-Group in Forst (Spree-Neiße) gehören Geschäfte mit Firmen in der Ukraine und Russland zur täglichen Arbeit. Zur Gruppe gehören eine Außenhandelsservice GmbH, ein Spezialtransportunternehmen und eine Niederlassung in der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Etwa zehn bis zwanzig Prozent des Transportgeschäftes werden mit Russland abgewickelt.

Heiko Reets ist Geschäftsführer der Außenhandelsservice GmbH, die für die Transporte die nötigen Papiere besorgt und die Zollabfertigung organisiert. "Wir machen uns noch keine großen Sorgen", sagt Reets. Der Warendurchsatz in Richtung Ukraine sei in den vergangenen Monaten ohnehin schon leicht zurückgegangen. Wenn es harte Wirtschaftssanktionen gegen Russland gebe, werden jedoch Einschnitte spürbar sein, befürchtet er. Die Lion-Group liefert für ihre Kunden vor allem Maschinen und Fabrikausrüstungen als Schwertransporte in Richtung Russland und in die Ukraine.

Stärker von möglichen Wirtschaftssanktionen gegen Moskau wäre vermutlich die Bals Elek-trotechnik in Freiwalde (Dahme-Spree) betroffen - das mittelständische Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen betreibt dort eine Niederlassung mit etwa 50 Mitarbeitern. Produziert werden elektrische Steckverbindungen und Verteiler. "Wir sind sehr exportlastig und ein nicht unerheblicher Teil unserer Produkte geht in die Länder der ehemaligen Sowjetunion", sagt Exportmanager Thomas Brüning.

Dazu gehörten auch die Ukraine und Russland.

Die Lieferungen in die Ukraine seien jedoch bereits zum Erliegen gekommen. "Alle Investitionen dort sind gestoppt worden, weil keiner weiß, wie es weitergeht", so Brüning. Elektrotechnik von Bals gehörte bisher zu den Lieferanten für Bergbauunternehmen im Donezk-Gebiet.

Auch in Russland sei in einigen Branchen schon eine Stagnation bei Investitionen zu beobachten. Bei möglichen Wirtschaftssanktionen gegen das Land sei entscheidend, wie diese ausgestaltet würden, sagt der Exportmanager. Eine Behinderung von Zollformalitäten könnte beispielsweise problematisch werden: "Dann werden Liefertermine gefährdet."

Der Elektrotechnik-Hersteller Bals ist oft Zulieferer für die Errichtung größerer Industrieanlagen. Die Stecker und Verteiler der Bals GmbH werden nach Auskunft von Brüning auch gern in der russischen Rohstoffindustrie und Energieproduktion verwendet: "Da greift man gern auf Qualitätsprodukte zurück."

Thomas Brüning beobachtet deshalb aufmerksam, ob und in welcher Weise es zu Wirtschaftssanktionen gegen Russland kommen könnte: "Wir dürfen uns nicht selber Schaden zufügen, ich halte Sanktionen aber grundsätzlich für angebracht." Man müsse das Völkerrecht achten und Grenzen dürften nicht einfach verschoben werden.

Die Exportabhängigkeit der Wirtschaft in der Region von Russland ist insgesamt jedoch gering. Die Ausfuhren dorthin aus ganz Brandenburg betrugen 2012 und 2013 nur jeweils 2,3 bis 2,4 Prozent. Unternehmen, die mit Russland Geschäfte abwickeln, beobachten nach Auskunft der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus jedoch mit Sorge den aktuellen Kursverfall des Rubels. Das schmälere die Gewinne, und deutsche Waren würden dadurch auf dem russischen Markt teurer.

Firmen mit Geschäftspartnern in der Ukraine bemerken auf andere Art Auswirkungen der innenpolitischen Umwälzungen. Sie verzeichnen zur Zeit Zahlungsprobleme bei ihren ukrainischen Kunden. Lausitzer Firmen, die sich in Russland oder der Ukraine Geschäftsfelder aufgebaut haben, wollen jedoch daran festhalten. Neben Zollbeschränkungen und Einfuhrverboten befürchten sie bei weiteren Sanktionen auch Probleme bei der Visabeschaffung.