Albrecht Gerber ist ein neuer Minister im Kabinett von Regierungschef Dietmar Woidke (SPD). Und dennoch ist der Politikwissenschaftler bereits seit Herbst 2009 Teil der Ministerrunde - als Chef der Staatskanzlei. Was zudem kaum einer der neuen Kabinettsmitglieder von sich sagen kann: Gerber hat unter allen bisherigen Brandenburger Regierungschefs - Stolpe, Platzeck, Woidke - in der Staatskanzlei gearbeitet. Und er sagt heute, dass ihn die Braunkohle in der Lausitz inzwischen seit mehr als zwei Jahrzehnten begleitet hat. "Um das strategische Thema Energiewende habe ich mich als Chef der Staatskanzlei natürlich besonders gekümmert", sagt Gerber.

Beim Redaktionsgespräch in der RUNDSCHAU holt der 47-jährige Energieminister ein A 4-Blatt heraus. Eigenhändig skizzierte grafische Darstellungen, mit deren Hilfe er die Herausforderungen der Energiewende erläutert. "Wenn kein Wind weht und die Sonne nicht scheint, brauchen wir konventionelle Energie, um den Bedarf zu decken", verweist Gerber auf die gelb schraffierte Fläche, die beim Ausbleiben der erneuerbaren Energien gefüllt werden muss. "Oder wir können auf Speicher zurückgreifen." Doch da schiebt der Minister die Antwort sogleich hinterher und erklärt, dass die Speicherforschung nicht über die Grundlagenforschung hinaus sei. "Die Politik hat zwar die Energiewende beschlossen, aber sie kann keine Speicher beschließen", geht Gerber auf die bundespolitische Energiedebatte ein, die ihm zurzeit so vorkomme, als ob "der dritte Schritt vor dem ersten und zweiten gemacht wird".

Aus Gerbers Sicht gehe es um Netzausbau, Speichertechnologien und die Erzeugung von Strom. Nicht nachvollziehbar sei für ihn, dass Bayern und Baden-Württemberg den Bau von Gaskraftwerken in Südwestdeutschland subventionieren wollen, anstatt auf die heimischen Ressourcen zurückzugreifen. "Deshalb müssen wir uns in die bundespolitische Debatte und Strategie zur Energieversorgung der Zukunft einmischen und das Potenzial der flexiblen Kohlekraftwerke in der Lausitz verdeutlichen", sagt Gerber. Schon heute zeige sich immer wieder, dass die konventionellen Kraftwerke Partner der erneuerbaren Energien sind. "Und das wird noch auf lange Sicht erforderlich sein."

Er geht fest davon aus, dass die Tagebauerweiterungen im sächsischen Nochten sowie in Welzow-Süd II für eine verlässliche und bezahlbare Energieversorgung gebraucht werden. Aus Sicht der Brandenburger Landesregierung fügt der Minister hinzu, dass es auch darum gehe, Tausende gut bezahlte Arbeitsplätze in den Tagebauen und Kraftwerken sowie in der Region zu sichern. Die Sicherung von Beschäftigung und Wertschöpfung in der Lausitz "hat für die rot-rote Landesegierung oberste Priorität". Gerber verdeutlicht, dass es dabei mit der schwarz-roten Landesregierung im Freistaat Sachsen eine große Übereinstimmung gibt.

In Bezug auf den angekündigten Verkauf von Vattenfall forderte er von der Unternehmensführung, "dass wir eng, zeitnah und unmittelbar über wichtige Schritte im Verkaufsprozess informiert werden". Schließlich wolle Potsdam die Möglichkeit haben, eigene Interessen für die weitere Entwicklung der Lausitz einzubringen. Gerber stellt klar: "Wir brauchen für die Lausitzer Braunkohle einen Eigentümer, der mit zielgerichteten Investitionen Beschäftigung und Wertschöpfung in der Region sichert."

Auf den von der Opposition im brandenburgischen Landtag immer wieder geforderten Plan B für die Lausitz nach der Braunkohle angesprochen erklärt Albrecht Gerber, dass es neben dem Lausitzer Seenland weitere Potenziale in der Region gebe. Vor allem werde die Landesregierung auf eine "substanzielle Stärkung" der BTU Cottbus-Senftenberg setzen. Der Minister lenkt den Fokus auf das Gebiet der Energieforschung, die hier Tradition habe.

Dieser Vorteil auch in den Forschungsbereichen Kraftwerks technik und bei den Stromnetzen müsse ebenso genutzt werden wie die dualen Studiengänge. Hier komme es auf noch mehr Kooperationen mit kleinen und mittelständischen Betrieben an, damit wissenschaftliche Erkenntnisse auch neue Arbeitsplätze schaffen. "Wir werden den Bestand und das Wachstum von kleinen und mittelständischen Unternehmen ebenso wie Forschungskooperationen unterstützen", betont der Minister.

Zum Thema:
Minister Albrecht Gerber hat bei einem Arbeitsbesuch beim Landesbergamt in Cottbus einen weiteren Internet-Service der Behörde freigeschaltet. Auf der Homepage www.lbgr.brandenburg.de sind unter der Rubrik Service/WEB-Services die jeweils aktuellen Messwerte zu Lärm und Staub in den aktiven Braunkohlentagebauen von Vattenfall einzusehen. In einer grafischen Übersicht wurden alle amtlichen Messorte der jeweiligen Tagebaue dargestellt. Die einzelnen Messpunkte sind "aktiv" und zeigen dem Nutzer die gemessenen Werte. Die Werte für Staub werden gemäß gesetzlicher Vorgabe jährlich und die für Lärm entsprechend einer Auflage des LBGR halbjährlich ermittelt. Mit der Erhebung sind unabhängige und bekannt gegebene Messstellen nach Bundes-Immissionsschutzgesetz beauftragt.