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| 02:45 Uhr

Wirtschafts-Sanktionen träfen Russland hart

Berlin/Moskau. Die deutsche Wirtschaft möchte nicht, dass die EU Sanktionen gegen Russland verhängt, weil sie um ihre Geschäfte fürchtet. Doch wären solche Maßnahmen wohl hochwirksam, wie eine am Mittwoch veröffentlichte Analyse des Außenhandelsverbandes selbst ergab. Werner Kolhoff

"Für Deutschland", so Verbandspräsident Anton F. Börner, "wäre ein Handelskonflikt schmerzhaft, für die russische Wirtschaft aber existenzbedrohend." Börner bezog sich auf die härteste bisher angedachte Maßnahme, die er als "Gaskeule" bezeichnete: Den Boykott von russischem Erdgas durch die EU. Schlagartig würden dem russischen Staatshaushalt dann Einnahmen von 100 Millionen Dollar pro Tag wegbrechen. Zwar decke russisches Gas ein Drittel des deutschen Verbrauchs, doch gebe es hierzulande Reserven für ungefähr ein halbes Jahr. Das sei genügend Zeit, um sich nach anderen Lieferanten etwa in Nordafrika umzusehen. Allerdings würden die Energiepreise deutlich steigen.

Das Schlimmste, was der EU passieren könnte, wäre, wenn Russland im Gegenzug ausländische Unternehmen enteignen würde. Ein entsprechendes Gesetz wurde in der Duma bereits vorbereitet. Börner bezweifelte jedoch, dass Russland einen solchen Schritt wagen wird. Er würde Investoren auf sehr lange Sicht abschrecken. Selbst eine solche Eskalation, die einem Wirtschaftskrieg gleichkäme, hätte laut Börner jedoch keine nachhaltigen Auswirkungen auf die sich gerade erholende Weltwirtschaft. Es werde zwar "Sand in das Getriebe" gestreut, mehr aber auch nicht.

In Zypern, Griechenland und Österreich könnten einige Banken in Probleme geraten, jedoch sei das beherrschbar. Russland hinke technologisch hinterher und habe eine katastrophale demografische Entwicklung. Langfristig liege die einzige Chance für das Land darin, "endlich einen Platz im europäischen Haus zu finden", so Börner. Es müssten dafür alle Gesprächskontakte genutzt werden, auch dürfe man Putin nicht noch zusätzlich in die Ecke drängen.

Ein möglicher Hebel, um Moskau zum Einlenken zu bewegen, sind aus Börners Sicht die russischen Eliten. Die von der EU geplanten nächsten Eskalationsstufen, das Einfrieren von Konten und Einreiseverbote, würden diese Gruppe massiv treffen. Die EU wolle damit einen Keil zwischen sie und Putin treiben. Allerdings warnte Börner vor diesen Schritten. Langfristig müsse man sich nach einem Wirtschaftskrieg sowieso wieder an einen Tisch setzen und gemeinsam überlegen, wie man die aufgetürmten Konflikte löse. "Da ist es besser, man holt die Kuh gleich vom Eis." Gleichwohl riet Börner den deutschen Unternehmen, sich auf eine Zuspitzung vorzubereiten. Von der Bundesregierung forderte er zudem, Exportgeschäfte mit der Ukraine über Bürgschaften abzusichern, denn die neue Regierung in Kiew sei "unerfahren und undurchsichtig".