Der aktuelle Preis für Schlachtschweine müsste Rainer Wendland angst und bange werden lassen. Kaum mehr als 1,40 Euro pro Kilogramm bekommen Bauern zurzeit beim Verkauf ihrer Tiere. Mindestens 35 Cent pro Kilogramm mehr müssten es sein, um rentabel arbeiten zu können, schätzt der Geschäftsführer der Landboden Bronkow Agrar GmbH ein.

Doch Wendland bleibt trotzdem relativ gelassen. Denn mehr als die Hälfte der 2500 Mastschweine und alle 400 Mastbullen aus seinen Ställen landen in der eigenen Vermarktung. Als zerlegtes Fleisch oder Wurst werden sie in Läden und Verkaufswagen auf regionalen Märkten verkauft.

Weg vom Rohstofflieferanten

Die Tochtergesellschaft, die die Vermarktung abwickelt, zahlt als innerbetrieblichen Verrechnungspreis pro Kilogramm Schlachtschwein 1,85 Euro. Davon werde man nicht reich, aber es stabilisiere den gesamten Betrieb, so Wendland. Und dieser Preis lasse auch zu, in das Wohl der gehaltenen Tiere zu investieren. Ein neuer Kälberstall soll in Kürze gebaut werden.

Die Preise für die Bronkower Fleisch- und Wurstwaren seien sicher höher als im Supermarkt, aber die Kunden seien bereit, für handwerkliche Qualität auch mehr zu zahlen. Natürlich müsse sich die Kalkulation an den Preisen ähnlicher Anbieter orientieren. Ein großer Teil der Käufer seien Stammkunden.

Landfleischereien gebe es auch in anderen Betrieben, so Wendland: "Aber mit unserem hohen Anteil Eigenvermarktung sind wird schon speziell." Dahinter stünden einige Zufälle, aber auch kluge Entscheidungen seiner Vorgänger auf dem Geschäftsführerstuhl des Agrarbetriebes in Bronkow. Wendland ist überzeugt: "Wir Bauern müssen von der Rolle des Rohstofflieferanten wegkommen."

Die Landboden Bronkow Agrar GmbH zwischen Calau und Finsterwalde bewirtschaftet 2850 Hektar Boden, eine Fläche mehr als doppelt so groß wie der Senftenberger See. Damit ist Wendlands Landwirtschaftsbetrieb ein großer, doch mit ungewöhnlicher Struktur.

Statt Spezialisierung bietet die Firma eine bunte Palette von Produkten. "Wir sind eigentlich so etwas wie ein normaler Bauernhof, nur viel, viel größer", beschreibt er das Unternehmen. Auf den Äckern und Weiden der Bronkower Agrar GmbH wird Futter für die eigenen Tiere, aber auch zum Verkauf angebaut. Dort wachsen aber auch Kartoffeln und Spargel.

In den Ställen stehen 400 Milchkühe, 400 Mastbullen, 2500 Mastschweine. Ferkel und Kälber werden selbst produziert. In einem umgebauten Schweinestall scharren knapp 1000 Legehennen in Bodenhaltung. Dazu kommen die eigene Landfleischerei und der Handel.

Vielfalt contra Risiko

Was heute angesichts des Preisdruckes als Modell für viele Landwirtschaftsbetriebe in der Region dienen könnte, begann mit der Zusammenlegung von zwei LPG-Teilen nach 1989. Dadurch entstand die breit gefächerte Grundstruktur der Firma, die noch heute erhalten ist. "Bei den in unserer Gegend ohnehin schwankenden Erträgen war das von Anfang an eine Risikominderung", sagt Wendland.

Seine Vorgänger seien klug gewesen, daran nichts zu ändern. Als es in den 90er-Jahren Absatzschwierigkeiten mit den Mastschweinen gab, entstanden der eigene Schlachtbetrieb, später die Verarbeitung und der Handel. Noch nie, so Wendland, habe das Bronkower Landwirtschaftsunternehmen bisher rote Zahlen geschrieben.

Die Haltungsbedingungen der Schweine und Rinder in Bronkow können sich auch sehen lassen. Die Schweine und Rinder werden in Gruppen gehalten, die ihnen Bewegungsfreiheit lassen. Die Ställe haben Tageslicht und frische Luft. Für Kälber und Jungrinder gibt es Außenauslauf, Mutterkühe stehen ganzjährig auf der Weide. Tiertransporte zur eigenen Schlachterei sind maximal vier Kilometer lang.

Keine Vorratshaltung

Eine Umstellung auf Bioerzeugung hat Wendland nie in Erwägung gezogen. "Wir sind bewusst konventionelle Bauern." Die Landwirtschaft brauche jedoch verlässliche und angemessene Erzeugerpreise, um vernünftig produzieren zu können. Dann könnten auch die Erwartungen der Kunden an artgerechte Haltung und Lebensmittelsicherheit erfüllt werden: "Bei unserem Hackepeter können wir die Herkunft des Fleisches bis zur letzten Ohrmarke belegen."

Pläne, die Eigenvermarktung noch weiter auszubauen, gebe es jedoch nicht, so Wendland. Denn dann müsste eine Vorratshaltung beginnen. Derzeit werde nur das verkauft, was auch frisch geschlachtet und verarbeitet oder geerntet wird. "Dieses System wollen wir erhalten."

Trotzdem hat er auch schon mal über Alternativen zum Milchverkauf an die großen Molkereiketten nachgedacht. Eine "Milchtankstelle", wo Kunden selbst Frischmilch zapfen können, würde jedoch nur einen kleinen Teil der erzeugten Menge aufnehmen und wäre mit hohen Hygieneanforderungen verbunden. Eine andere Idee wäre die eigene Käseherstellung. "Vielleicht in Kooperation mit einem anderen Milcherzeuger", so Wendland. "Aber das ist alles noch Zukunftsmusik."

Zum Thema:
Landwirtschaft spielt in Brandenburg, nach Mecklenburg-Vorpommern am dünnsten besiedelt, eine wichtige Rolle. 5400 landwirtschaftliche Betriebe bewirtschaften 1,3 Millionen Hektar Fläche. Die Durchschnittsgröße pro Betrieb liegt bei 243 Hektar.In Sachsen wirtschaften 6300 Landwirtschaftsbetriebe auf 906 000 Hektar Land. Mit durchschnittlich rund 145 Hektar pro Betrieb ist Sachsens Landwirtschaft deutlich kleinteiliger geprägt.In Brandenburg und Sachsen sind jeweils ein Drittel der Unternehmen Ackerbaubetriebe. Mit 255 100 Großvieheinheiten in Brandenburg und 229 300 Großvieheinheiten in Sachsen hat der Tierbesatz eine vergleichbare Größe. Eine Großvieheinheit entspricht einem Rind oder sechs Schweinen. sim