Werden jetzt auch Lebensmittel automatisch teurer?
Gewöhnlich schlägt die Preisentwicklung bei Agrargütern auch auf verarbeitete Nahrungsmittel durch - meist aber zeitversetzt und nur zu einem geringen Anteil. Europas Bauern fuhren im Jahr 2012 nach Angaben von Europas zweitgrößtem Agrarhändler Agravis mit rund 278 Millionen Tonnen eine "Durchschnitts ernte" beim Getreide ein. Doch weil es auf dem Balkan und rund um das Schwarze Meer ähnlich trocken blieb wie im Mittelwesten der USA, stieg insgesamt die Knappheit. Wenn Mais und Soja teurer werden, ächzen außerdem Futtermittel-Produzenten unter höheren Rohstoffkosten - mit entsprechenden Folgen für Produkte wie Fleisch, Eier und Milch.

Wie können sich Erzeuger und Händler gegen Schwankungen absichern?
Auf global verzahnten Handelsplattformen können plötzliche Änderungen von Angebot und Nachfrage Preisschocks auslösen. "Die Märkte sind unberechenbar", sagt der Chefanalyst der Bremer Landesbank, Folker Hellmeyer. Unternehmen versuchen daher, sich mit Vorverträgen Teile künftiger Ernten zu sichern. Weil Schätzungen des späteren Werts auch wegen der Spekulation mit Agrarzertifikaten schwierig sind, schwenken die Firmen von langfristigen auf kurzfristige Kontrakte um. Spezielle Sicherungsgeschäfte ("Hedging") kommen zum Einsatz.

Ist das nur bei landwirtschaftlichen Rohstoffen so?
Auch der Handel mit Metallen, Kohle oder Öl ist von einem immer heftigeren Auf und Ab der Preise betroffen. Maschinenbauer und Computerhersteller bangen vor allem um die weitere Entwicklung bei den Seltenen Erden, die von Exporteuren wie China bewusst verknappt werden. Und die Abhängigkeit vom "Schmierstoff" Erdöl beunruhigt Konjunkturexperten in aller Welt.

Welche weiteren Treiber der Agrar- und Lebensmittelpreise gibt es?
Etwa den Konflikt zwischen Ernährungs- und Energieproduktion. Wenn immer mehr Bauern Raps, Mais oder Zuckerrohr zur Herstellung von Biosprit anbauen, verknappt das die verfügbare Nahrungsmittel-Menge zusätzlich. Entwicklungshelfer warnen in dieser "Teller-oder-Tank-Diskussion" vor steigendem Hunger in den ärmsten Ländern. "Diese Mengen senken das Angebot für den Lebensmittelsektor drastisch und beeinflussen das Preisgefüge vehement", heißt es bei Agravis. Auch die Nord-LB rechnet mit langfristig steigenden Agrarpreisen.

Welche Rolle spielt die Spekulation mit Agrarzertifikaten?
Neben natürlichen Marktreaktionen bei wetterbedingten Ernteausfällen befeuern Spekulanten den Agrarhandel. Sie wollen meist gar nicht in reale Güter investieren, sondern setzen auf Preisanstiege von Agrar-"Futures", um diese mit hohem Gewinn weiterzuverkaufen. In die Kritik geraten sind Computerprogramme, die dies beim Überschreiten gewisser Spannen an Warenterminbörsen wie Chicago oder Paris automatisch tun. Aus Sicht vieler Beobachter mutet es zynisch an, mit Wetten auf den Wert von Nahrungsmitteln auf Kosten einkommensschwacher Menschen Geld zu verdienen. Einige Banken haben das Geschäft an den Nagel gehängt.

Gibt es Auswege?
Gegner der Agrarspekulation appellieren an die Zentralbanken, das Zinsniveau anzuheben, damit weniger billiges Geld für solche Zwecke in die Märkte gepumpt wird. Zudem hat die Debatte um neue Regeln für Finanzinvestoren auch die Agrarbranche erreicht. Ein Problem besteht darin, kurzfristig orientierte Termingeschäfte von längerfristigen abzugrenzen. Analyst Hellmeyer hält ein entschlossenes Handeln der Politik vorerst für unwahrscheinlich - die Macht der Preisjongleure bleibe einfach zu groß: "Was hier geschieht, ist ein Finanzkrieg."