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| 19:13 Uhr

Immobilien
Zwischen Leerstand und Wohnungsnot

 In einigen Ballungsräumen werden laut einer Studie zu wenige Wohnungen gebaut, in ländlichen Regionen dagegen mitunter zu viele.
In einigen Ballungsräumen werden laut einer Studie zu wenige Wohnungen gebaut, in ländlichen Regionen dagegen mitunter zu viele. FOTO: dpa / Julian Stratenschulte
Laut einer Studie fehlen vor allem in Großstädten Wohnungen. Im ländlichen Raum ist die Situation oft ganz anders.

In Berlin wird der Bedarf an Neubauwohnungen derzeit nur zu 73 Prozent gedeckt. Noch schlimmer sieht es in Köln aus. Dort sind es nur 46 Prozent. Grundsätzlich, so die Autoren des aktuellen IW-Reports, komme man in Deutschland mit dem Bauen nicht hinterher. „Wir bauen nicht genügend Wohnungen in den Ballungszentren“, sagt Ralph Henger, der für die Studie mit dem Titel „Ist der Wohnungsbau auf dem richtigen  Weg?“ mitverantwortlich zeichnet. Wobei die Antwort auf diese Frage ein doppeltes „Nein“ ist. Denn in vielen  ländlichen Regionen ist die Situation zwar völlig verschieden zu der in den Großstädten, aber auch dort trifft man auf gravierende Fehler in der Wohnungspolitik. In den kleineren Städten „werden die Leerstände nicht genutzt. Dort wird zu viel gebaut“, sagt Henger.

In Cottbus etwa liegt das Verhältnis von fertiggestellten Wohnungen zum eigentlichen Bedarf bei 188 Prozent, im Elbe-Elster Kreis bei 207 und in Brandenburg an der Havel bei 146 Prozent. Aber gerade in Brandenburg ist das Bild uneinheitlich. Wird in der Uckermark eher zu viel gebaut, besteht in Frankfurt Oder, in Märkisch Oderland im Havelland, in Ostprignitz-Ruppin und in anderen Kreisen teilweise ein erheblicher Mangel an Neubauten.

Grundsätzlich sieht das Kölner Institut „eine positive Nachfrage nach Immobilien“ in Deutschland. Gründe dafür seien das anhaltende Wirtschaftswachstum und die Zuwanderung. Pro Jahr belief sich die „Nettomigration“ von 2010 bis 2018 auf 512 000 Personen. Dabei waren laut der Studie nur 17 Prozent Asylsuchende. „Damit kommt der überwiegende  Teil der Zuwanderer  aus Ausbildungs- und Arbeitsmarktgründen aus dem europäischen Ausland.“ Hinzu komme die Binnenwanderung in die Ballungsgebiete. Die Kölner Wissenschaftler rechnen mit einem weiteren Bevölkerungswachstum, das sich aber ab 2020 deutlich abschwächt.

Trotz des Bevölkerungswachstums in Deutschland hat sich die Leerstandsquote kaum verändert. Sie liegt bei 4,7 Prozent. Das bedeutet: Es werden fast zwei Millionen Wohnungen nicht genutzt. Aber auch hier ist die regionale Verteilung höchst unterschiedlich. In Großstädten wie Berlin, Hamburg oder München gibt es praktisch keinen Leerstand, während in kleinen und mittleren Städten vor allem die Zentren veröden.

„In Brandenburg gibt es regional unterschiedliche Wohnungsmärkte“, weiß man auch im zuständigen Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung. „Im Berliner Umland ist der Bedarf an Neubau am größten, hier muss weiter gebaut werden“, erklärte eine Sprecherin. „In den ländlichen Regionen brauchen wir passenden Wohnraum, bei dem auch die Qualität stimmt: beispielsweise um Familien mit Kindern den Wunsch nach einem Eigenheim oder einer großen Wohnung zu angemessenen Preisen zu erfüllen; oder um in den Innenstädten barrierefreie Wohnungen zu schaffen, die attraktiv sind für Ältere, die die Nähe zu sozialen, ärztlichen und sonstigen Dienstleistungen in den Städten schätzen.“

Im vergangenen Jahr seien in Brandenburg über 10 000 neue Wohnungen geschaffen worden. „Das ist ein Erfolg des Bündnisses für Wohnen, in dem das Land, die Kommunen, die Wohnungseigentümer und der Mieterverband zusammenarbeiten, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.“ Das Land stelle insgesamt jährlich 100 Millionen Euro für den Bau von mietpreis- und belegungsgebundenen Wohnungen zur Verfügung.

Sollte das Bautempo in den Metropolen beibehalten oder erhöht werden, so die Autoren, könnten sich dort in absehbarer Zeit die Wohnungsmärkte entspannen. Und weiter heißt es in der Studie: „Die Probleme der Wohnungsmärkte in den Ballungszentren und des ländlichen Raumes sind dabei nicht unabhängig voneinander.“ Die Landesregierungen müssten für „einen vernünftigen Interessensausgleich“ sorgen.