Der Bankenausschuss des US-Senats meldete am Dienstag (Ortszeit) ernste Bedenken an dem Hilfspaket für den angeschlagenen Finanzsektor im Volumen von 700 Milliarden Dollar an. Es sei in seiner derzeitigen Form "nicht akzeptabel", sagte der Ausschussvorsitzende Chris Dodd.

Sowohl Demokraten als auch Republikaner hätten Bedenken gegen die Regierungspläne geäußert, erklärte Dodd nach einer gemeinsamen Sitzung mit Finanzminister Henry Paulson in Washington. Die Regierung müsse den Rettungsplan gemeinsam mit den Parlamentariern überarbeiten. Bisher seien den Abgeordneten "keine glaubhaften Versicherungen vorgelegt worden, dass dieser Plan auch funktioniert".

Zuvor hatte US-Notenbankchef Ben Bernanke vor "schwerwiegenden Konsequenzen" gewarnt, sollte der Kongress dem Rettungsplan nicht zügig zustimmen. Paulson sagte, die Bankenkrise drohe "alle Teile unserer Wirtschaft" zu gefährden.

Die US-Regierung will den angeschlagenen Banken "faule" Kredite abkaufen. Das sind solche, deren Rückzahlung wenig wahrscheinlich ist. Führende Kongresspolitiker hatten zwar grundsätzliche Zustimmung geäußert, aber Schutzmechanismen auch für einfache US-Bürger gefordert.

US-Präsident George W. Bush verteidigte das Hilfspaket in seiner Rede vor der UN-Vollversammlung in New York. Er versprach, dass Kongress und Regierung in den USA zusammenarbeiten würden, um den Rettungsplan rasch zu verabschieden.

FBI ermittelt im Finanzskandal Die US-Bundespolizei FBI ermittelt derweil nach Angaben des US-Senders CNN wegen Betrugsverdachts gegen die US-Finanzriesen Lehman Brothers, Fannie Mae und Freddie Mac sowie gegen den Versicherer AIG und weitere 22 an der Wall-Street-Börse in New York notierte Unternehmen. Dabei soll geklärt werden, ob die Konzernchefs durch "Desinformationen" zu finanziellen Schieflagen beigetragen haben.

Die EU-Kommission will die Banken laut einem Zeitungsbericht als Konsequenz aus der US-Finanzkrise zwingen, Risiken bei Wertpapieren stärker selbst zu tragen. Die Vergabe von Großkrediten, die sich Finanzinstitute untereinander gewähren, soll eingeschränkt werden. An den Finanzplätzen Europas verlief der Handel gestern schleppend, die Märkte in Asien schlossen mit einem leichten Plus. Die Bank of England pumpte 40 Milliarden Dollar (rund 28 Milliarden Euro) als kurzfristige Anleihen für Finanzinstitutionen zusätzlich in Markt.

In Hongkong versammelten sich Tausende Sparer vor den Filialen der Bank of East Asia, um sich ihre Geldanlagen auszahlen zu lassen. Bankmitarbeiter versuchten, sie zu beruhigen und versicherten, die Spareinlagen seien sicher. Der US-Geschäftsmann Warren Buffett kaufte für fünf Milliarden Dollar (3,4 Milliarden Euro) Anteile an der US-Bank Goldman Sachs. AFP/rb