ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 10:27 Uhr

Düsseldorf
Zwei Frauen an der Spitze des Henkel-Aufsichtsrats

Düsseldorf. Henkel ist schon lange einziger Dax-Konzern mit einer Aufsichtsratschefin, jetzt setzt auch die Belegschaft auf eine Frau. Reinhard Kowalewsky

Henkel ist schon lange einziger Dax-Konzern mit einer Aufsichtsratschefin, jetzt setzt auch die Belegschaft auf eine Frau.

Seit dem 22. September 2009 ist Henkel der einzige der Dax-30-Konzerne, dessen Aufsichtsrat von einer Frau geleitet wird: Simone Bagel-Trah, 1969 geborene Ur-Ur-Enkelin des Henkel-Gründers Fritz Henkel. Die promovierte Biologin und Unternehmerin erhielt das Amt, nachdem die Henkel-Familie sich in einem langen Auswahlverfahren für sie als wichtigste Vertreterin des Clans im Konzern entschieden hatte.

Seit Kurzem hebt sich Henkel in Sachen Frauenrepräsentanz noch weiter von den anderen großen Unternehmen Deutschlands ab: Der Aufsichtsrat hat die 1964 geborene Betriebsrätin Birgit Helten-Kindlein zur stellvertretenden Vorsitzenden bestimmt. Die Entscheidung fiel am 9. April, war aber bisher der Öffentlichkeit nicht bekannt.

Damit stehen bei den Düsseldorfern als einzigem Dax-Konzern zwei Frauen an der Spitze des Aufsichtsgremiums. "Das ist vorbildlich", sagt Jella Benner-Heinacher, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). "So profiliert sich Henkel weiter als attraktives Unternehmen für junge Leute." Auch Heide Pfarr vom Deutschen Juristinnenbund lobt die Entscheidung: "Man hätte ja sagen können, wenn schon eine Frau den Aufsichtsrat leitet, muss ein Mann Stellvertreter werden. Dass es nun anders kam, zeigt, dass bei Henkel wichtige Positionen wirklich nach Befähigung vergeben werden."

Tatsächlich spielt Helten-Kindlein bei Henkel schon viele Jahre eine wichtige Rolle: Als Finanzexpertin sitzt sie seit Langem im wichtigen Prüfungsausschuss. Als erfahrene Betriebsrätin setzte das Mitglied der IG BCE mit durch, dass Henkel viel Geld ausgibt, Mitarbeiter fortzubilden, um so betriebsbedingte Kündigungen zu verhindern. "Insgesamt haben die Arbeitnehmer bei Henkel viel durchgesetzt", sagt ein Unternehmensberater.

Dabei mischen Frauen im Aufsichtsrat von Henkel schon länger mehr mit als in vielen vergleichbaren Unternehmen: Sechs der 16 Aufseher sind weiblich. Das entspricht einem Frauenanteil von 37,3 Prozent. Im Durchschnitt der Dax-Konzerne liegt der weibliche Anteil nur bei 31 Prozent. Das hat die Beratungsfirma Boston Consulting berechnet. Eine der sechs Frauen im Aufsichtsrat repräsentiert die Leitenden Angestellten - es ist die 1971 geborene Martina Seiler, die als promovierte Chemikerin in der Waschmittelsparte von Henkel arbeitet.

So sehr Henkel teilweise als frauenfreundlich glänzt, ist das nur die halbe Wahrheit: Rund 34 Prozent der Mitarbeiter sind weiblich, ebenso hoch ist der Frauenanteil bei allen Führungskräften, doch in den drei Ebenen unterhalb des Vorstandes liegt der Anteil bei 23 Prozent.

Leiter des 1876 gegründeten Unternehmens waren immer Männer, seit 2011 ist mit Kathrin Menges immerhin eine Frau im sechsköpfigen Vorstand. Im Gesellschafterauschuss, der intern eine sehr große Rolle spielt, sind neun Männer und eine Frau. Es ist Simone Bagel-Trah, die das Gremium in Personalunion mit dem Vorsitz des Aufsichtsrates führt.