Es ist noch nicht allzu lange her, da gehörte der Beruf des Kraftfahrers neben Lokführern und Piloten zu den Traumjobs vor allem der heranwachsenden Jungs-Generationen. Aber die Zeiten sind vorbei. Aus den „Königen der Landstraße“ sind inzwischen in der Wahrnehmung vieler Autofahrer nervige Verkehrsbremsen und Stau-Erzeuger auf überfüllten Trassen geworden. Aus dem großen Traum von Freiheit und Selbstbestimmtheit auf dem Weg in den nächsten Sonnenuntergang mit 400 PS unter der Haube wurde das Image des staugeplagten, unterbezahlten Fahrtenschreiber-Sklaven im Dauer-Zeitdruck. Tage- und wochenlange Touren zwischen Dauerbaustellen und Berufsverkehrsstaus rund um die meisten Metropolen scheinen keinen Platz zu lassen für den Gleichklang zwischen Beruf und Privatleben (Work-Life-Balance), der für junge Menschen inzwischen viel wichtiger geworden ist.

Genug Stellen für Einsteiger

Die Folgen sind dramatisch. Inzwischen fehlen in ganz Deutschland 45 000 Berufskraftfahrer. 2000 sind es allein in Südbrandenburg zwischen Spremberg und Königs Wusterhausen, schätzt Jens Krause, der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus. „Wenn ich mir unsere aktuelle Stellenbörse anschaue, könnten 500 Berufskraftfahrer sofort eingestellt werden“, sagt er.

Der Kammer-Funktionär, zu dessen Arbeitsfeld die Lausitzer Logistikbranche gehört, ist Berufsoptimist. Das muss er auch sein, denn Krause kämpft einen scheinbar aussichtslosen Kampf. Aktiv stemmen sich in seinem Kammerbezirk gerade mal 15 Logistikunternehmen mit zusammen 50 Berufskraftfahrer-Azubis gegen den massiven Nachwuchsmangel in der Branche. Mehr Ausbildungsplätze könnte es geben, doch es fehlen auch in dieser Branche die Bewerber.

Vernünftige Arbeitsbedingungen

Einer, der gemeinsam mit Jens Krause etwas gegen den Fahrermangel unternehmen will, ist Alexander Lengsdorff Wendelken. Der Geschäftsführer des Logistikers TSS in Schwarze Pumpe sieht gute Zukunftschancen für seine Branche in der Lausitz. Er will mit seinem Unternehmen – einer hundertprozentigen Tochter der Lausitzer Energie AG (Leag) – wachsen, dafür aber braucht er zuallererst qualifiziertes Personal. 16 Auszubildende hat die TSS, neun von ihnen wollen Berufskraftfahrer werden.

Der Logistiker weiß genau, worauf es heute ankommt, wenn er junge Leute für den Beruf des Kraftfahrers begeistern will. „Wir müssen vernünftige Arbeitsbedingungen und ein ordentliches Betriebsklima bieten“, sagt Lengsdorff Wendelken. Sein Unternehmen bezahlt Tarifgehälter und die Mitarbeiter sollen mitreden können, wenn es um die Zukunft des Unternehmens geht.

Die TSS ist mit ihrer Fracht – oft Kohlenstaub und CO2 – in ganz Deutschland unterwegs. „Wir versuchen gemeinsam mit Partnerfirmen die Touren so zu kalkulieren, dass die Fahrer am Abend wieder zu Hause sein können“, sagt der TSS-Geschäftsführer.

Logistik als Chance für die Lausitz

Die Logistik ist eines der Geschäftsfelder, die nach Einschätzung vieler Experten in den kommenden Jahren in der Lausitz an Bedeutung deutlich an Bedeutung gewinnen könnten. Gerade mit Blick auf einen erwartbaren Braunkohle-Ausstieg, sucht daher auch die Leag intensiv nach neuen Betätigungsfeldern. Im nationalen und internationalen Warenverkehr schlummer riesiges Potenzial, dass auch mit der fortschreitenden Digitalisierung nicht verschwinden kann. Am Ende müssen stets Waren zu Weiterverarbeitern oder Endverbraucher geliefert werden.

Azubis als Filmcrew

Um dem dramatischen Fahrermangel zu begegnen, hat die IHK Cottbus eine Informationsoffensive gestartet. Unterstützen wollen sie dabei auch die Logistikern aus dem Industriepark Schwarze Pumpe. Die künftigen Berufskraftfahrer der TSS sind in diesem Zusammenhang zu Kameraleuten und Schauspielern geworden. Gemeinsam haben künftige Berufskraftfahrer ein Video produziert, dass für ihren Berufsstand wirbt.

Unter ihnen übrigens ist einer, der bereits Lokführer gelernt hatte. Jetzt aber träumt er von der Freiheit ohne Schienen mit 400 PS unter der Haube.