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November macht wetterfest und gute Laune
November-Gespräche

Beate Möschl
Beate Möschl FOTO: Sebastian Schubert / LR
Es ist nicht der erste November, der mit Wetterkapriolen von sich reden macht, die eher für den  Frühlingsmonat April typisch sind: Mal frostig, und nass, dann wieder Temperaturen im zweistelligen Plus-Bereich — eine Zeit, in der sich nicht nur vieles in der  auf Winterpause eingestimmten Natur zurückzieht. Auch der Mensch macht es sich jetzt öfter lieber drinnen gemütlich. Draußen indes treffen sich die Widerständigen, die sich von keiner Wetterlage etwas vormachen oder gar verbieten lassen. Mit Kennerblick nicken sie sich zu, wohl wissend, was wirklich zählt. Beate Möschl

Wer genau hinschaut oder hinhört, kann sie erkennen. Den älteren Herren zum Beispiel,  der regelmäßig am späten Nachmittag seinen Kaffee trinken geht — egal wie das Wetter ist; nennen wir ihn Herrn Lehmann.

„Ich gehe jeden Tag raus. Immer nur  zu Hause sitzen, das ist nicht gut, da wird man erst krank“, antwortet er, wenn er bei  seiner Kaffeepause spontan angesprochen wird. Das passiert oft.  Frauen   sind  begeistert von ihm. Sie ermuntern ihn,  seine Art und die Café-Besuche beizubehalten, und fragen besorgt nach ihm, wenn er mal länger als einen Tag fehlt.

So bringt Herr .Lehmann   auf der Suche nach Gesellschaft unwillkürlich selbst Leben   in das Café am Rande seines Viertels. Durch bloße Anwesenheit und Gesprächskultur. Mit einem  „Ich weiß nicht, irgendwie scheint  der Mensch dafür geschaffen, sich mitzuteilen“, äußert er gern und tut es auch. Wer hier zufällig dabei ist und Zeit zum Zuhören hat, kann sich manch’ Ratgeber oder Therapiestunde sparen. Der Griff in die   Schatzkiste Lehmannscher Lebensmaximen, ist so unterhaltsam wie klärend und bringt auf Ideen. Zum Beispiel die, dass die Sondierungsgespräche zur Regierungsbildung in Berlin mit  entspannten Kaffeepause und Herrn Lehmann als Gesprächspartner vielleicht erfolgreicher verlaufen wären. Kurz, knapp, präzise, nach vorn  und aufs Allgemeinwohl gerichtet, unbeeinflusst von parteipolitischer Kraftmeierei.