Michael Lindner ist zum "Lausitzer Leuchttürme"-Talk von BVMW und RUNDSCHAU in Forst angekündigt und der Saal im Hotel "Rosenstadt" ist voll. Obwohl viele Zuhörer den Geschäftsführer von Mattig & Lindner, der heute mit seinem Bruder Christian die Geschäfte führt, kennen - von dieser Firma können sie nicht genug erfahren. Sie ist ein Stück Forster Geschichte und gibt heute 150 Mitarbeitern einen Job.

Max Mattig hatte das Unternehmen 1909 gegründet, zwölf Jahre später seinen Schwiegersohn Oswien Lindner zum Teilhaber gemacht. Seither hinterließen Mattig & Lindner Spuren in der Region. "Damals sind sie zwar nicht über die Forster Kirchturmspitze hinausgekommen", schildert Michael Lindner Episoden aus der Gründerzeit. Aber es seien immerhin rund 100 Arbeiter gewesen, die Stein auf Stein Häuser errichteten. Der Name Max Mattig ist an so manchem Gebäude in der Neißestadt verewigt.

"Ich wollte Medizin studieren"

Nach dem Zweiten Weltkrieg machte sich Vater Eberhard daran, den Betrieb wieder auf Vordermann zu bringen. "Wenn keine Steine da sind, dann müssen wir uns welche machen." Diese Devise des "Unternehmers mit Leib und Seele", wie Michael Lindner seinen Vater charakterisiert, führte die Firma Anfang der 1950er-Jahre zur Produktion von Betonfertigteilen. Das Spektrum von Mattig & Lindner reichte schließlich vom Bau der Forster Bach-Kirche bis zur Herstellung von Hohlblocksteinen und der Spezialisierung auf Kollektorelemente. Die begehbaren 2,40 mal 2,40 Meter-Quader wurden im Tief- und Industriebau verwendet, um von diesen Stationen aus Leitungen nachzuverlegen.

Der Betrieb wuchs auf 350 Mitarbeiter. "Doch ich wollte eigentlich Medizin studieren", räumt der heute 65-jährige Michael Lindner auf eine Frage von BVMW-Regionalleiter Ralf Henkler zur Firmennachfolge ein. Dennoch entschied sich der Erstgeborene für den Bau, was dem Vater Sicherheit geben sollte. Aber der Sozialismus und die zweite Enteignungswelle in der DDR 1972 trafen auch den Forster Traditionsbetrieb. "Natürlich wurde das nicht Enteignung genannt", erinnert sich Lindner jun. "Auf Wunsch der Arbeiter, die lieber in einem VEB arbeiten wollten, wurden wir verstaatlicht."

Michael Lindner bezeichnet diese Zeit vor den "Leuchtturm"-Zuhörern als die schwerste, vor allem für Vater Eberhard. Er habe von heute auf morgen nicht mehr den Betrieb betreten dürfen und wurde in ein Büro für Neuererwesen verfrachtet. "Er war zutiefst verbittert, konnte sich aber nicht wehren." Michael Lindner erinnert sich daran, dass der Vater erst wieder Hoffnung bekam, als in Ungarn die Grenzen aufgingen. Und als auch in Forst bei der Kommunalwahl 1989 Wahlbetrug augenscheinlich wurde, waren für den Vater die Tage des SED-Regimes gezählt.

Sohn Michael hatte in den schweren Jahren für die Lindners ein Baustudium absolviert, wurde Technischer Leiter beim VEB Bau Forst und schließlich Dozent an der Ingenieurschule für Bauwesen in Cottbus. Als er dort 1985 den Lehrstuhl für Bauen in der Zivilverteidigung übernehmen sollte, kündigte er, ging zurück nach Forst und nahm ein Studium für Bauwerksanierung auf.

Aufträge nur für zwei Wochen

Dann kam die Wende und Vater Lindner sollte ein Stückchen Gerechtigkeit widerfahren. Denn durch das sogenannte Modrowgesetz zur Reprivatisierung von volkseigenen Betrieben kam Mattig & Lindner wieder in die Familie zurück. "Wir haben sofort einen Antrag gestellt und waren am 15. Juni 1990 einer der ersten zurückübertragenen Betriebe in der Region, die wieder produzierten", schildert Michael Lindner. Viele Bauarbeiter von früher wollten sofort wieder anfangen. "Wir sind mit gut 100 Mitarbeitern gestartet und hatten nur Aufträge für zwei Wochen." Das sei Risiko gewesen, aber es habe auch Aufbruchstimmung geherrscht.

Mattig & Lindner hat sich seither kontinuierlich entwickelt. Das Unternehmen baut Wohnungen in Brandenburg, Sachsen und Berlin, ist aber auch im Industriebau eine gefragte Firma weit über die Lausitz hinaus. Michael Lindner sieht heute die Kernkompetenz im Bau von Leichtbauhallen. Nachdem ein 20-Millionen-Auftrag für ein 120 000 Quadratmeter großes Logistikzentrum für einen großen Autoreifenhersteller in bester Qualität realisiert wurde, ist man dort auch für weitere Vorhaben erster Ansprechpartner. Mattig & Lindner - ein "Lausitzer Leuchtturm".

Nächster Gesprächspartner der "Lausitzer Leuchttürme", einer Aktion von BVMW (Bundesverband Mittelständische Wirtschaft) und RUNDSCHAU ist Wolfgang Jahn, Geschäftsführer der ZEDAS GmbH. Sie entwickelt Softwareprodukte für das Logistikmanagement von Schienenverkehren und für das Anlagenmanagement von Fahrzeugflotten und technischen Anlagen. Termin: 17. Dezember 2015, 19 Uhr, Am Pier 1, Senftenberg