Außerdem erwirbt die OMV 55 Stationen in Ungarn und elf Tankstellen in der Slowakei, einen Anteil von 45 Prozent an der Raffinerie Bayernoil sowie 18 Prozent an der Pipeline, die von Triest zu den bayerischen Raffinerien führt, teilten die beiden Unternehmen gestern in Hamburg und Wien mit. Der Kaufpreis für das gesamte Südpaket beträgt 377 Millionen Euro.

Polen kauften bereits 494 Stationen
Bereits vor zwei Monaten hatte die polnische Gesellschaft PKN Orlen die 494 Tankstellen des Nordpakets für 140 Millionen Euro von Aral/BP übernommen. "Wir freuen uns, die Kartellamtsauflagen hiermit vollständig erfüllt zu haben", sagte der Chef der Deutschen BP, Wilhelm Bonse-Geuking. Mit dem Verkauf der Tankstellen in Ungarn und der Slowakei zieht sich die Marke Aral vollständig aus diesen Märkten zurück.
Im Gegensatz zu Aral/BP hat Shell/DEA die Auflagen des Kartellamtes noch nicht vollständig abgearbeitet. Beide fusionierten Unternehmen mussten sich von fest vorgeschriebenen Marktanteilen trennen, um die Genehmigung für ihre Fusionen zu erhalten. Shell und DEA haben bislang 609 Stationen mit einem Absatz von rund 1,4 Millionen Tonnen an eine Vielzahl von Erwerbern verkauft und damit rund drei Viertel der Auflagen erfüllt. Shell und DEA seien aber auf gutem Wege, heißt es aus dem Unternehmen.
Für den Autofahrer bedeutet der Umbruch zunächst nur, dass sich die Markenvielfalt durch regionale Betreiber erhöht. Allerdings verschwindet die seit Jahrzehnten vertraute Marke BP vom deutschen Markt und auch die Zukunft der Marke DEA ist noch nicht gesichert. Shell denkt gegenwärtig intensiv darüber nach, ob die zunächst ins Auge gefasste Zwei-Marken-Strategie wirklich die optimale Lösung in einem ausgedünnten Netz ist. Denn nationale Marken haben zwar Vorteile für den Betreiber, bringen aber auch Kosten, die bei regionalen Marken nicht anfallen, zum Beispiel für bundesweite Fernsehwerbung.
Das Verschwinden der Marke BP und wahrscheinlich auch der Marke DEA in Deutschland geht einher mit dem Auftauchen neuer Marken wie Orlen und OMV. Andere Ketten, zum Beispiel Agip, Avia und Westfalen sowie das Netz freier Tankstellen werden größer. Nach einer Hochrechnung des Hamburger Energie-Informationsdienstes wird künftig Aral mit einem Marktanteil von 23 Prozent die mit Abstand größte Tankstellenmarke in Deutschland sein vor Shell/DEA mit 20 Prozent und Esso mit elf Prozent. TotalFinaElf, die überwiegend in Ostdeutschland aktiv ist, sowie Jet kommen auf neun und acht Prozent.

Zu viele Tankstellen
Auf die Benzinpreise wird sich die Neuordnung des Marktes vermutlich kaum auswirken. Es bleibt bei einem Markt mit einer Vielzahl von Anbietern, auf dem auch die freien Tankstellen mit einem Anteil von zehn Prozent eine wichtige Rolle spielen. Es ändert sich auch nichts daran, dass nach Einschätzung der Branche im schrumpfenden deutschen Kraftstoff-Markt etwa jede vierte Tankstelle zu viel ist. Damit bleibt der Spielraum für Preiserhöhungen eng begrenzt.