Nach einer Studie mit repräsentativen Befragungen ist dabei die Angst vor einem Scheitern der Hauptgrund dafür, eine Geschäftsidee nicht mit dem Schritt in die Selbstständigkeit umzusetzen. Auch die Finanzierungsmöglichkeiten mit der Verfügbarkeit von Fremd- und Eigenkapital hätten sich verschlechtert. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Länderbericht Deutschland der internationalen Vereinigung Global Entrepreneurship Monitor (GEM), der gestern in Bonn vorgestellt wurde.
Lag der Anteil an Personen, die in Deutschland ein Unternehmen zu gründen versuchten, 2001 noch bei 5,6 Prozent aller Erwachsenen, so sank dieser Wert im Jahr 2002 auf 3,5 Prozent. Neben Deutschland verzeichneten auch fast alle übrigen europäischen Länder einen Rückgang.
Nach dem GEM-Länderbericht rangierte bei den Gründungsaktivitäten Westdeutschland deutlich vor Ostdeutschland. Befragte in Ostdeutschland hätten sich im Schnitt weit pessimistischer über Gründungschancen geäußert als Westdeutsche.
Im internationalen Vergleich - 37 Länder waren in die vergleichende Studie einbezogen - liegt Deutschland mit der Gründungsquote auf Platz 23. In Europa fiel der Rückgang in den Niederlanden, Frankreich und Großbritannien noch deutlich stärker aus als in Deutschland. Allerdings ist die Angst vor einem Scheitern beim Sprung in die Selbstständigkeit in Deutschland weit ausgeprägter als in fast allen anderen Ländern.
Bei den politischen Rahmenbedingungen steht Deutschland laut Studie im internationalen Mittelfeld. Zwar werde die Einstellung der Politik als weitgehend positiv dargestellt. Auf Kritik stoße hingegen der bürokratische Aufwand für Gründer. Auch das komplizierte Steuersystem werde von den Befragten als abschreckend gewertet.
Unter den Bundesländern wies der Stadtstaat Hamburg mit 7,6 Prozent den höchsten Anteil an Gründern und jungen Unternehmen auf, gefolgt von Bayern (6,6) und Niedersachsen (6,5). Die geringsten Anteile haben Mecklenburg-Vorpommern (3,1), Sachsen (3,4) und Sachsen-Anhalt (3,6). Nach Regionen sind die Gründungsaktivitäten am stärksten in den Regionen Mittelfranken, Köln, München und Hamburg.
Der GEM 2002 ist die vierte derartige internationale Untersuchung. Weltweit wurden dazu 113 000 Personen in 37 Ländern befragt. Der Länderbericht Deutschland entstand unter Federführung des Wirtschafts- und Sozialgeographischen Instituts der Universität Köln. Er basiert auf 15 000 Telefoninterviews mit repräsentativ ausgewählten Personen. Zusätzlich wurden in Deutschland 49 Gründungsexperten befragt. (dpa/rb)