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Wirtschaftswoche
Gute Ideen für schlechten Zweck?

Hannelore Grogorick
Hannelore Grogorick FOTO: Angelika Brinkop / LR
Cottbus. Kleine Teile – große Wirkung. Wie oft spüren wir das, wenn im Haushalt etwas kaputt geht. Ein preiswertes Ersatzteilchen ist selten zu ergattern, das Problem kann oft nur mit einem Neukauf des gesamten Gerätes behoben werden. Von Hannelore Grogorick

Das Problem nervt seit Jahren. Und immer mehr nimmt die Vermutung Gestalt an, dass die Hersteller das toll finden, ja vielleicht sogar „unterstützen“. Einen Namen dafür gibt es längst. „Geplante Obsoleszenz“.  Mit diesem Begriff sind Strategien gemeint, um die Lebensdauer von Produkten absichtlich zu verkürzen und somit mehr zu verkaufen. Jetzt wurde bekannt, dass die französische Justiz prüft, ob der Druckerhersteller Epson die Lebenszeit von Produkten absichtlich verkürzt hat. Ein französischer Verein hat den Smartphone-Giganten Apple angezeigt und darin den  Vorwurf erhoben, dass alte iPhone-Modelle bewusst verlangsamt würden, um Kunden damit zum Kauf neuer Modelle zu bewegen.

In Frankreich kann die absichtliche Verkürzung der Lebenszeit von Produkten mit zwei Jahren Gefängnis geahndet werden, zudem sind Geldstrafen von bis zu fünf Prozent des Jahresumsatzes möglich.

Das Thema bewegt Verbraucherschützer seit Jahren. Auch das deutsche Umweltbundesamt hatte sich in einer im vergangenen Jahr vorgelegten Untersuchung zu Elektro- und Elektronikgeräten damit beschäftigt, aber keine gezielt kurze Produktlebensdauer durch eingebaute Mängel nachweisen können.

Großmutter baute immer auf den Grundsatz: „Wir sind zu arm, um billig zu kaufen.“ Was letztlich heißen sollte, dass das Billige ratzfatz kaputt sei, und man dann doch noch ein teures Produkt kaufen müsse. Darauf kann man sich heute offensichtlich auch nicht mehr verlassen.

Schließlich geht es auf allen Seiten ums Geld. Der Verbraucher will angemessen Geld ausgeben, die Industrie will viel verdienen. Und so wird wohl die Kreativität vieler junger Ingenieure, Tüftler und Facharbeiter nicht nur dafür genutzt, tolle, gut funktionierende Dinge zu entwickeln.  Der Diesel­skandal war ja auch nicht gleich offensichtlich.

Schade drum, um die vergeudeten Rohstoffe. Um die tollen Ideen der Produktentwickler. Um die unnützen Müllberge. Und auch schade um meine Nerven, wenn wieder ein Gerät nicht das macht, was es soll.